Stark und Wild

In deinem Schatten möcht‘ ich nicht stehen, so klein will ich nicht sein.
Ich möchte stark sein, stark und wild und manchmal gar allein

Auch möcht‘ ich nicht dein’ Schatten spielen, an dir klebend, nie für sich.
Ich möchte frei sein, frei und leicht, mit mir und nur für mich.

Doch möcht‘ ich wie dein Schatten sein, dich schützend und schmerzlindernd.
In dunklen Tagen vor dir gehen, dich führen, dich erinnernd,
dass Licht ganz dicht ja bei dir ist, auch wenn du es nicht siehst,
dass du dich manchmal umdrehen musst, wenn du vor Ängsten fliehst.

Und wenn du‘s tust und Licht dich wärmt, möcht‘ ich nicht ganz verschwinden.
Ich bleib‘ bei dir ganz still und stark, ohn‘ mich an dich zu binden.
Denn du brauchst dich, um du zu sein und ich bin ich allein,
gehöre mir, in alle Zeit und du bist auch nur dein.

Lass mich auf meinen Beinen stehen
Und du geh‘ auf den deinen.
Wir sind nicht eins, wir sind viel mehr, als Liebesschnulzen meinen.

Die Jugend heutzutage

„Wir freuen uns, Dir heute mitteilen zu können, dass wir Dich gerne bei der diesjährigen Bundeskonferenz der Jungen Islam Konferenz dabei hätten!  Du bist nachgerückt!“

Ich hatte mich für eine der begrenzten Plätze bei der Bundeskonferenz der Jungen Islam Konferenz beworben und nach dem Lesen des ersten Satzes machte auch mein Herz einen Satz. Der sollte nicht so lange sein, wie die Buchstabenkette auf meinem Bildschirm, aber dennoch: mein Herz satzte kurz auf. Freude und Stolz… die Freude blieb auch nach dem Satz. Der Stolz flaute etwas ab: Du bist nachgerückt hieß es schließlich. Und jeder von Uns weiß, was das bedeutet: „Hey, du bist toll, wir wollen dich dabei haben – aber chill, nicht so freudig: du bist nachgerückt; so toll bist du also auch nicht.“ Ich verstehe immer noch nicht ganz, wieso ich nicht in der „Du bist bedingungslos toll“ Wolke schweben durfte (vielleicht um meine Zusage noch krasser zu finden), aber ich bin ein sehr gechillter Mensch und finde es einfach nur unfassbar. Unfassbar witzig 🙂 (liebe J-I-K, das ist kein Kritikpunkt; im Gegenteil, ich bin super dankbar für diesen Satz. Er hat mir einige Lacher und damit auch Sympathiepunkte bei ein paar anderen Teilnehmer*innen eingebracht; und ganz ehrlich, die habe ich in manchen Situationen wirklich gebraucht 😉 ) „Die Jugend heutzutage“ weiterlesen

Pausenlos

Weißt Du,
die Blumen, die du mir schenkst, sind mir ein Dorn im Auge. Ihr wohliger Duft brennt in meiner Nase, ihre weichen Blätter vertrocknen meine Haut. Was soll ich mit diesen wunderschönen Köpfen, wenn sie sich pausenlos an ihren Stielen festhalten? Was bringen mir ihre zarten Konturen, wenn sie unsere verwischen?

Ich gestehe, anfangs konnte ich nicht genug von ihnen kriegen. Das siehst du ja, wenn du dich umschaust. Um so einen Garten zu hüten, zu pflegen, muss wenigstens der kleine Finger grün sein. Und so streckte ich den meinen naiv aus, während ich die Gießkanne in der Hand hielt und von Blume zu Blume wanderte. Dass es nicht hinter meinem Ringfinger grün leuchtete, sondern hinter unserer beider Ohren, bemerke ich erst jetzt.

Weißt Du,
die Blumen, die du mir schenkst, sind mir ein Dorn im Auge. Ihr wohliger Duft brennt in meiner Nase, ihre weichen Blätter vertrocknen meine Haut. Was soll ich mit diesen wunderschönen Köpfen, wenn sie sich pausenlos an ihren Stielen festhalten? Was bringen mir ihre zarten Konturen, wenn sie unsere verwischen?

Ich gestehe, ich möchte sie weiterhin ansehen. Sie beobachten, wie sie langsam ihre Fülle und Farbe verlieren, wie sie gedankenlos zergehen und mit dem Schein, den sie trugen verwehen.

Luft – *Vertont*

Hallo Du,

die Textform, in der ich mich so hin und her bewege verändert sich stetig. Momentan fühle ich mich in einer besonderen Form des Schreibens zu Hause – eine Form, die in ihrer sprachlichen Performance ihre Kraft erzeugt. Nachdem ich jetzt einige Gedanken in diesem Stil aufgeschrieben und sie vertont habe, habe ich bemerkt, wie viel Spaß mir die Arbeit mit meiner Stimme und den Texten macht. Ich versuche mich nun an einem Podcast-Konzept, in dem ich die Themen, die ich hier schriftlich bearbeite, aufgreife. Natürlich mit Vertonung meiner bestehenden und neu dazu kommender Texte, denn das Schreiben wird immer mein Schutzraum bleiben.

Die Planung braucht natürlich so seine Zeit, aber ich möchte Dir schon einmal einen kleinen Vorgeschmack geben – zumindest zu dem „Stil“, den ich oben beschrieben habe. Die folgende Aufnahme ist die Vertonung eines Textes, der den Alltag vieler Menschen beschreibt. Er ist in einer sehr emotionalen Situation entstanden – und aufgenommen worden, während ich krank war, was man an der einen oder anderen Stelle auch hört 😉 Ich freue mich, Deine Gedanken zu dem Text zu hören.

Jetzt aber genug Einleitung. Nun der Hauptteil und gleichzeitig Schluss.
Setz‘ Dich für einen Moment kurz hin. Wenn Du möchtest. Nimm‘ Dir Zeit. Wenn Du möchtest. Und hör‘ mir zu. Wenn Du möchtest. – mir wurde gesagt, die Texte im neuen „Stil“ hätten ein gutes Tempo drauf. Also, Augen zu und Ohren auf – wenn Du möchtest 🙂

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Verwehen

Stille Nacht Heilige Nacht Alles schläft
Doch sie, sie wacht.
Kühler Wind Sanfter Wind Küsst es zart
Das Menschenkind
Lass mich los Lass mich gehen In dem Winde still

Verwehen.