Wenn es mal leise wird

Und

Das ist mein Liebling.

Und

Denn mit ihm geht es weiter, egal was davor war. Ob ich tauchen war und schwimmen mit Sardinen. Ob ich fliegen war und schweben mit Motten. Es geht einfach weiter. Ganz ohne Punkt. Selbst wenn ich einen setzen möchte, setzt sich mein Und dazu und lässt es weitergehen. Ganz unbekümmert. Als sei es ganz selbstverständlich, dass er da ist. Und da bleibt.

Nein, ohne mein Und könnte ich nicht. Und so beginne und ende ich gerne mit ihm. Denn alles um mich herum ergibt sich auseinander, sodass kein Punkt der Welt, nichts trennen kann. Manchmal, da vergesse ich das und möchte alles auseinander zerren. Isoliert betrachten. Einzeln fokussieren. Und dann schlägt mir mein Liebling gegen den Kopf und schüttelt seufzend sein U. Ohne mein Und wäre ich wohl bei den Sardinen geblieben und hätte niemals die Motten entdeckt. Oder hätte die einen von den anderen getrennt und das Wasser, in dem ich schwamm, so wie den Himmel, ich dem ich flog, in einem schwarzen Loch verschwinden lassen.

Und wenn es mal leise wird, um mich herum, dann weil ich meinem Liebling zuhöre, wie er undet und undend mein Sein umrundet. Und

Unbedacht

Die Sonne, sie muss dir ja so dankbar sein, denke ich, während ich dich beobachte. So viel Wärme und Licht wie du schenkst, kann sie jeden Tag etwas früher Feierabend machen. Ich glaube, denke ich, ich glaube, so getrost konnte sie noch nie ein Nickerchen in ihrem Wolkenbett machen.
Du tastest nach meinem Sonnenhut und setzt ihn mir auf. Schatten fällt auf meinen Kopf. Meine leuchtenden Augen behalten dich im Blick. Bei der Sonne hat niemand Angst, dass sie nur blendet. Irgendwie vertrauen wir ihr. Manchmal leichtsinnig. Unbedacht. Und trotz Sonnenbrand lieben wir sie und geben ihr keine Schuld. Bei dir, denke ich, bei dir war ich von Beginn an skeptisch. Sehr. Und ich muss gestehen, ich habe lange darauf gewartet, dass ich mich verbrenne. Aber im Gegensatz zur Sonne gibst du mir gar nicht erst die Möglichkeit, mich verbrennen zu lassen. Ich taste nach meinem Sonnenhut und nehme ihn nach kurzem Überlegen ab. Ich glaube, denke ich, ich glaube, mit dir kann ich leichtsinnig sein. Unbedacht.
Irgendwie vertraue ich dir.

Hintergrundmusik

Siehst du den hellen Schatten, der sich auf meine Augen legt? Ich kann nicht ausmachen, woher er kommt. Wo seine Wurzeln liegen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihn wirklich sehe. Manchmal, so habe ich das Gefühl, sitzt er unverkennbar auf meiner Stirn. Drückt sich auf meine Augen, bis sie nur noch verzerrte Farbkleckse wahrnehmen. Ein anderes Mal ist dieser helle Schatten mehr spür- als sehbar. Wie geschmolzener Puderzucker deutet er sein Da-Sein an. Wenn ich mich so umschaue, nach seinem Körper suchend, ist es, als könne nur mein drittes Auge sehen. In sich schauend erblickt es Angst. Sorge. Zweifel.
Manchmal, denke ich, manchmal würde ich gerne meine Emotionen anhalten, während sich die Welt weiterdreht. Wie verstummende Hintergrundmusik in einem Film. Oder auf dem Jahrmarkt. Was würde dann noch bleiben?

Mit deinem dritten Auge, siehst du den hellen Schatten, der sich auf meine Augen legt. Auch du kannst nicht ausmachen, woher er kommt. Wo seine Wurzeln liegen. Ich bin mir sicher, die Frage danach stellst du dir auch nicht.

Du küsst sanft meine Stirn. Streichst mir zärtlich über den Kopf.
Öffnest mir die Augen.
Und während die Welt für einen Moment still steht, umarmen Emotionen warm meine Seele. Was bleibt, bist Du. Liebe.
Und Vertrauen.

Wolkenweich

Lass mich fallen, wenn ich taumel’, fallen will ich nur allein,
Taumeln hilft mir in Gedanken ganz und nur bei mir zu sein.
In den Wunden liegt mein Wesen, tief durchzogen, streng gefüllt,
Jede Zelle, jede Faser ist in Endlichkeit gehüllt.
Angst hab’ ich vor keiner Wunde, die mein Körper auf sich zieht,
Jeder Stich und jeder Kratzer zeigt wie mich mein Wesen sieht.
Blaue Flecken wandern mit mir, färben meine Seele weiß,
Ohne sie und ihre Schmerzen, dreht sich Mensch im Lebenskreis.

Siehst du keine meiner Wunden, siehst mich zart und seidig gleich,
Ist es Liebe für mein Wesen, mich ummantelnd wolkenweich.

Stark und Wild

In deinem Schatten möcht‘ ich nicht stehen, so klein will ich nicht sein.
Ich möchte stark sein, stark und wild und manchmal gar allein

Auch möcht‘ ich nicht dein’ Schatten spielen, an dir klebend, nie für sich.
Ich möchte frei sein, frei und leicht, mit mir und nur für mich.

Doch möcht‘ ich wie dein Schatten sein, dich schützend und schmerzlindernd.
In dunklen Tagen vor dir gehen, dich führen, dich erinnernd,
dass Licht ganz dicht ja bei dir ist, auch wenn du es nicht siehst,
dass du dich manchmal umdrehen musst, wenn du vor Ängsten fliehst.

Und wenn du‘s tust und Licht dich wärmt, möcht‘ ich nicht ganz verschwinden.
Ich bleib‘ bei dir ganz still und stark, ohn‘ mich an dich zu binden.
Denn du brauchst dich, um du zu sein und ich bin ich allein,
gehöre mir, in alle Zeit und du bist auch nur dein.

Lass mich auf meinen Beinen stehen
Und du geh‘ auf den deinen.
Wir sind nicht eins, wir sind viel mehr, als Liebesschnulzen meinen.