Atemnot

Gefangen im wilden Strudel bebt mein Körper unaufhörlich im Rhythmus des verlorenen Kampfes. Immer wieder schleudern mich die Wellen mit einer unbarmherzigen Wucht gegen die Felsen, bevor sie mich zurück in ihre Tiefen ziehen. Mein Körper sich hingebend,  der Geist flehend nach Ruhe. Kein Versuch zu Entkommen, kein Wille die Wellen zu brechen. Ohnmächtig und gezielt ging ich doch in die reißende Flut hinein.Kein Hinterhalt trieb mich in das unnachgiebige Hochwasser. Ich allein steuerte mit einer unaufhaltsamen Zielgerichtetheit in das Verderben. In Trance und doch ganz klar. Zwanghaft und doch selbstbestimmend. Und während mein Kopf gierig nach Luft schnappt, halten sich meine Hände an aus dem Wasser herausragenden Stämmen fest, um nicht an Land zu geraten. Sie ziehen meinen Körper immer wieder unter Wasser, nutzen seine Kraft, um mich meiner Energie zu berauben. Drücken mich so lange in das kalte Nass, bis ich kurz vorm Ertrinken stehe – lassen mich Luft holen und ziehen mich zurück. Immer wieder. Immer wieder. Bis… bis… bis meine Arme schwer und müde werden, meinen Körper nicht mehr unter Wasser halten können und ich bewusstlos an Land gespült werde. Ich schaue in die pechschwarze Nacht. Spüre vor lauter Nässe die Tränen nicht, die mit dem Wasser der Flut auf meinem Gesicht eins werden. Weiß nicht, ob mein Herz wegen des Wellenritts so schmerzhaft pocht, oder wegen der Pein, die mich jetzt erfüllt. Ich schäme mich. Fühle mich schwach. Zittere nicht vor Kälte, sondern Ohnmacht; das weiß ich ganz sicher. So sicher, wie ich weiß, dass ich nicht das letzte Mal in diesem bebenden Gewässern zu ertrinken drohen werde.

 

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