StillerLaerm

Es ist ganz still, so wie es nur nachts still sein kann. Der Wind streicht zärtlich über meine Haut und alles, was die Nacht so preisgibt, ist Ruhe. Hältst Du kurz die Luft an, hörst Du wie die Erde atmet.

Ein.
Aus.

Es muss gut tun, den Pulsschlag der Erde zu hören. Sich in der Nachtluft zu verlieren und eins mit der Stille zu werden. – Ja, das muss gut tun. Meine Mundwinkel ziehen sich hoch und in meinem ganzen Schmerz muss ich lächeln. Hörst Du wie ruhig es ist? Wie wohltuend leise alles um uns herum ist? Ich wünsche Dir, dass du es tust. Vielleicht kannst Du mir erzählen, wie es sich anfühlt so im Stillen zu sein. Vielleicht kannst Du mir für einen Moment in allen Farben, die du kennst, ein Bild von Ruhe malen. Vielleicht macht es dann, dass das Rauschen in mir aufhört und ich das, was die Erde mir geben möchte; das was Du hörst, auch vernehme:

Stille.

Mein Lächeln verschwindet. Es wird lauter in mir. Ich bin es gewohnt und kann es einfach hinten in meinem Kopf ablaufen lassen, während ich sehnsüchtig in die stille Nacht hinaus blicke. Wie ein Tonband, das immer wieder abgespult wird. Wie das Rauschen eines Kühlschranks. Wie die Stimmen in einem voll besetzten Bus, die man gezwungenermaßen vernimmt, während man versucht, einfach mal durchzuatmen.

Ein.
Aus.

Irgendwann steigt ein gesunder Menschenverstand aus dem Bus, verlässt den Lärm und kehrt in seine Stille zurück, während ich den Lärm fortwährend mit mir trage. Im Bus. Auf der Arbeit. Beim Schlafen. In der Nacht. Stiller Lärm, mein ewiger Begleiter. Manchmal muss ich es laut aussprechen. „Das reicht jetzt aber!“ Wenn die Stimmen immer lauter, wirrer, durchdringender werden.

„Das reicht jetzt aber!“

– und dann werden sie leise und murmeln ihren Kampf vor sich hin. Und ich – ich steige in den Bus und nehme den ganzen Lärm nicht wahr, weil ich diese Geräuschkulisse gewohnt bin. Externer Lärm. Interner Lärm. Ich kann es nicht mehr unterscheiden und ich weiß auch nicht, ob es notwendig ist.

Ich schließe die Augen. Atme die klare Nachtluft ein. Versuche die Stille wahrzunehmen, doch das Rauschen ist zu laut.

Wie immer.
Wie immer.

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