Unerwartet

Es ist so faszinierend zu beobachten, in welcher Lichtgeschwindigkeit das tiefe Ungetüm bodenloser Emotionen die eigene Welt erschüttern kann. Hat man sich doch jeden Augenblick von Unsicherheit nach ihm umgeschaut, mit wachen Blicken, und ihn dennoch nicht heranpirschen sehen – wie ein Raubtier, das seine Beute schier endlos erscheinende Momente lang beobachtet, bevor es dann in Sekundenschnelle zuschlägt. Ein Biss, tot. Wenn es doch so wäre, murmele ich und versuche mich aus den Fängen des Ungetüms zu befreien.

Was bist du? Woher kommst du? Es war doch alles  gut, oder nicht?

 Wie kann es sein, dass mein Geist so sorgenlos über den Dächern der Stadt tanzt, mein Herz im Rhythmus der Freiheit schlägt und jeder Atemzug Leben in meine Lungen pumpt – Leben, von dem ich nicht genug bekommen kann- und sich dann, urplötzlich, aus dem Nichts (?) monströse Krallen in meinen Nacken bohren?

 Völlig überrumpelt von diesem Angriff versuche ich die aufkommende Panik zu unterdrücken und meinen Angreifer zu identifizieren. Es riecht nach Angst. Meine? Müdigkeit. Enttäuschung. Sehnsucht. Wut. Sorgen. Alles meine? Woher? So plötzlich? Während ich frage, verstehe ich und während ich verstehe lässt mich das Monster los, setzt sich mir gegenüber und schaut mir tief in die Augen.

Habe ich in all diesem Glück, dieser Freude und Euphorie des Moments die nassen, dunklen, kalten Emotionen meines Wesens vergessen; sie im Regenbogen des Sommers ertränkt; ihre Dunkelheit mit hellstem Licht überbelichtet und sie ihrer Existenzberechtigung enteignet.

Ich schaue in die tiefen, schwarzen Augen des Monsters. Es atmet schwer. Tief. Ich nicke ihm zu. Schließe die Augen, berühre seine Stirn mit meiner und flüstere in aller Wehmut:

Es tut mir Leid.

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