Staudamm-Knopfdruck-Flut

Es war, als hätte etwas in mir irgendwann, ja vielleicht wegen dir, meine Seele gepackt und in mein Herz gesperrt. Niemals schlafend, ewig wach, besetzten Furcht, Unruhe und Misstrauen den Platz von seiner Zuversicht, Mut und Lebenslust. Meiner Seele tat dieser Anblick weh und sie verkroch sich so in die dunkelste Ecke ihres Käfigs. Tage vergingen, Monate, Jahre. Ja, vielleicht sogar mit dir, und ich vergaß um meine Gefühle. Manchmal, da spürte ich etwas in mir – da regte sich etwas… da reagierte etwas auf mein Leben und ich hielt es nicht aus… sprang aus fahrenden Zügen, schmiss mich in tiefe Gewässer, hielt die Luft an. Solange, bis ich müde war. Kraftlos wie der Gefängniswärter in mir drin. Solange, bis meine Seele um uns bangte, aus seiner Ecke kroch und schrie. Der Wärter wusste nicht, wie ihm geschah. Lief auf und ab. Rannte durch jede meiner Venen. Hatte Angst. So fürchterliche Angst. Denn es wusste, dass es die Seele von Gefühlen fernhalten wollte, sie aber nur zum Schweigen, nicht Wegschauen gebracht hatte. Würde es sie nun sprechen lassen… 
Staudamm. Knopfdruck. Flut. 

Würden wir untergehen? 

Wir werden schwimmen, flüsterte die Seele. Und es wollte ihr glauben. Erlaubte ihr kleine Spaziergänge und sperrte sie todesängstlich wieder ein, wenn es donnerte, blitzte und wir zu ertrinken drohten. Doch jeder Moment der Freiheit brachte Mut und Zuversicht. Und nun – obwohl mir jeglicher ‚Follower‘, jegliches ‚Like‘ oder ‚Kommentar‘ herzlichst egal zu sein schienen, merke ich, wie sie ihm Kraft geben, meine Seele sprechen zu lassen und mir Mut machen, sie anzuhören. Und nun – trotz all dieser Schmerzen, da fühlt es sich an, ja, vielleicht auch dank dir, dass dieser Weg zwar unbequem und durchaus schmerzhaft ist, aber wohl der richtige – für mich. 

3 Kommentare zu „Staudamm-Knopfdruck-Flut

  1. Du bist eine dieser Menschen die noch seelenvoll sind.
    Das merkt man sogar hier, wo eigentlich nichts echt ist.
    Ich mag deinen Zynismus sehr.
    Und ja, ich nenne es Zynismus.
    Für mich war diese penetrante Süße immer abschreckend.
    Wo niemals Nein gesagt wird, ist kein Ja auch wirklich so gemeint.
    Auch wenn ich selbst Gedichte schreibe,
    wollte ich niemals einer dieser Menschen sein.
    Mir erscheint es wir ein eitler Gang durchs eigene Gefühl.
    Alles ist rosarot und an nichts kann man sich schneiden.
    Weil alles in schützende Hüllen aus Plastik gepackt wird.
    Überall wird es vermieden etwas Falsches zu sagen.
    Doch dafür sagt auch niemand etwas Richtiges.
    Statt dessen ist man sehr bedacht Berührungen zu vermeiden.
    Aus dir aber spricht noch etwas menschliches.
    Ungeschönt und auf den Punkt.
    Es ist ebenso unpassend wie wunderbar.
    Eigentlich sind unsere Likes nur ein Ersatz für jenes,
    was wir nicht zu sagen haben,
    da wir eigentlich leer sind und uns hinter leeren Gesten verstecken.
    Aber da es ja auch nur eigentlich ist,
    ist es eigentlich nicht schlecht,
    weil es eigentlich niemandem schadet.
    Und dann bedanken wir uns bei den Menschen die uns lesen,
    aber schreiben eigentlich für uns selbst.
    Einfach nur weil wir es müssen.
    Und deine Zwänge sind für mich wundervoll.

    Gefällt 1 Person

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