Endhaltestelle

Lieber Gerd,

‚Endhaltestelle’, rauschte es aus den Lautsprechern, als der Zug in den Bahnhof einfuhr. Die Fahrgäste standen alle leicht hektisch auf, zogen sich ihre Jacken über und bewegten sich mit ihrem Gepäck Richtung Ausstiegstür. Ich schaute ihnen zu, meinen Schal fest in die Hand gekrallt. Endhaltestelle. Seufzend sah ich aus dem Fenster. Ich wollte nicht aussteigen. Nicht hier. Was hatte ich hier schon zu suchen? Wenn diese letzten Prüfungen nicht gewesen wären, hätte mich nichts in diese Stadt getrieben. Nicht weil sie so schlimm ist, nein. Sie ist ganz nett. Ganz nett. Aber ich habe keine Lust auf ganz nett. Nicht jetzt. Der Zug hatte angehalten und ich sah mich gezwungen aufzustehen.

Ich setzte meinen Fuß auf Karlsruher Boden und ehe ich merkte wie mir geschah, stand ich auch schon vor meiner Zieladresse. Ganz automatisch hatte mich mein Körper hin gebracht, während tausend Gedanken in meinem Kopf gedacht werden wollten. Als wäre ich nie weg gewesen… irgendwie gefiel mir dieses Gefühl. Ein bisschen wie ‚zu Hause’ ankommen, ohne sich ‚zu Hause’ zu fühlen. ‚Endhaltestelle’, rauschte es wieder in meinem Kopf. ‚Stimmt nicht…’, hörte ich dieses Mal eine feine Stimme in mir piepsen, ,es geht noch viel, viel weiter.‘ Ich halte mich an diesem Gedanken fest und betätige die Klingel. Einmal tief Luft holen, Saide… Und wenn es dich erdrückt und du nicht weißt, wohin du willst – einmal kurz Luft holen, zweimal kurz Luft holen.
Ohrwurm olé.

 

 

 

 

 

 

pics by pixabay.com

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