Gedankenflanieren

Lieber Gerd,

Ich sitze seit einigen Stunden in einem Café und arbeite. Um mich herum sind viele Menschen, manche vertieft in Bücher, andere im Handywahn. Ich kann durch ein großes Fenster schauen und auf eine leuchtende Straße blicken. Berlin ist nachts irgendwie schöner. Ich wüsste gerne wieso. Obwohl ich ein kleiner Schisser bin und Angst im Dunkeln habe, liebe ich es spät abends aus dem Haus zu gehen und durch die Welt zu flanieren. Flanieren. Das ist eines meiner Lieblingswörter. Flanieren. Wie kann ein Wort nur so gemacht für seine Bedeutung sein? Flanieren. Ja, ich flaniere gerne. Draußen und im Kopf. Gedankenflanieren. Es ist Wahnsinn, was man dabei alles entdeckt. Man – naja, wohl eher ich. Wenn ich so durch mein Sein flaniere, begegne ich haarigen Nacktkatzen, Maulwürfen mit einer Sehstärke von 100%, bellenden Vögeln, schnurrenden Fischen und manchmal auch Dir – in Form von einer haarigen Nacktkatzen, einem Maulwurf mit einer Sehstärke von 100%, einem bellenden Vogel, einem schnurrenden Fisch und manchmal auch Dir. Einfach nur Dir. Das gefällt mir am Wenigsten. Das ist zu simpel. Da kann ich gar nicht in Interpretationswahn verfallen. Ich meine, wenn Du mir als Du begegnest, ist ja alles klar. Aber was willst Du bitte in Form eines bettelnden Kaiserpinguins? Das eröffnet doch ganz neue Dimensionen. Ich mag neue Dimensionen. Fast so sehr wie das Flanieren im Dunkeln. Und so schließt sich der Kreis. Oder auch nicht. Zumindest schließt sich etwas und das müsste uns Beiden ja wohl klar sein.

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