Dann bekomme ich noch 33€

Die Postbotin kommt schnaufend die Treppen hochgestampft und bleibt etwas irritiert vor mir stehen. Das Gesicht hat sie wohl nicht zu dem Namen erwartet, schmunzele ich. Sie reicht mir ein Formular entgegen: „Könnten Sie was für den Nachbarn annehmen?“ Ich schüttele den Kopf: „Das muss ich nicht, das Paket gehört zu uns.“ Sie formt ihr Mund zu einem O. „Dann bekomme ich noch 33€.“ „Ach“, sage ich, und schaue durch den Türrahmen, um dir Bescheid zu geben. „Mutti“ will ich rufen, doch außer „Ach“, kommt nichts heraus. Mein Kopf pocht. Mein Herz tut es ihm gleich. Du schaust mich durch den Türrahmen an, fragend. Ich murmele, dass die Frau noch Geld bekäme und du holst dein Portemonnaie. Schweigend gehe ich zurück in die Wohnung und warte bis du zurückkommst. Ich bin hin und her gerissen zwischen weinen und lachen. Vor der Postbotin musste ich meine Tränen unterdrücken und du wusstest genau wieso. Wir haben uns angeschaut. Ich habe dich angelächelt. Dein Blick wissend. Jetzt warte ich hier. Auf dich. Mutti? Wie um alles in der Welt… Mutti? Verzweifelt lächele ich. Du kommst. Dein Blick wissend. Verzweifelt lächele ich. „Ich wollte „Mutti“ sagen, aber…“, ich verstumme. In meinem Kopf schallt es hinterher: „Dich gibt es ja nicht“ – aber ich habe Angst, dir mit dem Satz wehzutun. Du nickst. Dein Blick wissend. Langsam weite ich meine Arme, dich umarmen wollend und ängstig, nichts als Luft zu spüren. Doch du hältst mich. Fest. So fest. Es fühlt sich so echt an, pocht mein Kopf. Und mein Herz tut es ihm gleich. Es fühlt sich so echt an. Ich will dich nicht loslassen. Danke, danke, danke, pocht mein Kopf. Und mein Herz tut es ihm gleich.
Ich halte dich. So lange es geht.
So fest es geht. Fest. Fest.
So fest.
Bis ich aufwache.