2018 – und immer noch 17

Lieber Gerd,

es ist 2018 und seit ungefähr 13 Jahren bin ich 17. Vor 12 Jahren hat es angefangen und da war es noch ganz toll. Älter eingeschätzt wurde ich erwachsener behandelt. Respektvoller. Bis vor 7 Jahren war es auch irgendwie noch in Ordnung, jünger gesehen zu werden. Es war eher witzig, als problematisch. Seit drei Jahren und besonders meinem letzten Geburtstag, finde ich es einfach nur noch unverschämt. 17 Jahre zu sein ist genauso, wie zehn Jahre älter oder jünger zu sein – nicht der Rede wert. Wenn aber Menschen aus dem Alter schließen, wie sie einen behandeln sollen, dann möchte ich doch wirklich endlich älter gesehen werden! Redet nicht mit mir, als sei ich ein Kind – denn auch wenn ich es wäre, verdiene ich ein Gespräch, in dem meine Persönlichkeit sprechen gelassen und dementsprechend behandelt wird. Ich bin nicht „reif für mein Alter“; was das auch immer bedeuten mag! Ich bin erfahrener, als die Menschen denken.

Es ist irgendwie ganz bezeichnend: anstatt so zu reagieren, soll ich mich über den Fakt freuen, jünger geschätzt zu werden. Davon kann ich mir kein Eis kaufen; auch wenn die meisten Menschen denken, dass ich damit besonders gelockt werden könnte. Ich habe keine Angst vor Falten. Oder einer Zahl. Vielleicht sollte einfach aufgehört werden, Menschen jünger zu schätzen, weil sie „so frisch“ aussehen. Wenn ich in zehn Jahren immer noch nicht über der 20er Grenze bin und behandelt werde, wie ein unerfahrenes Baby, höre ich auf zu duschen, ich schwöre.

6 Kommentare zu „2018 – und immer noch 17

  1. Wenn ich es richtig verstehe, fühlst du dich von Gerd falsch – was soll ich jetzt schreiben – behandelt, bewertet, eingeschätzt?

    Dein Selbstwert steckt in dir, und niemand kann diesen wirklich zutreffend einschätzen – außer dir.
    Ist es also von Bedeutung, ob ich behandelt, bewertet, eingeschätzt schreibe oder sonst etwas?

    Bedauerlicher Weise ignoriert die Gesellschaft, in der wir leben, die wirkliche Bedeutung der Psyche, weshalb es – leider auch immer wieder Kindern gegenüber – zu überheblichem Verhalten kommt, was einer, wenn auch subtilen Kränkung (psychischen Verletzung) gleicht (verstehen nur wenige).
    Deshalb nochmals: Nur du kennst deine wahren Werte, dein Denken, die Gründe deines Handelns und Verhaltens, wenn auch mit der leidigen Aufgabe verbunden, jenen Gerd Richtung Menschlichkeit zu schubsen – oder – so schwer es fallen mag – die Notbremse zu ziehen …
    Alles Gute
    jmolbrich

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    1. Danke, für Die Zeit, die Du Dir für mich genommen hast! Ich habe mich sehr gefreut, Deine Gedanken zu lesen.
      Gegen Gerd habe ich nichts, denn Gerd ist mein Tagebuch 🙂 Der unterlegene Link führt zu einem Text, in dem ich das kurz erläutere. Natürlich hast Du Recht, wenn Du sagst, dass ich mir selbst genug sein kann, muss, darf. Da stimme ich Dir zu. Es geht nur darum, dass es wirklich ermüdet, wenn man sich immer wieder beweisen muss. Und das muss ich. Nicht, weil es mir wichtig ist, was andere von mir halten (auch wenn ich mich nicht davon lösen kann). Vielmehr wegen meinen Arbeitsbereichen, in denen ich nicht „gehört“ werde, weil erst einmal die Frage im Raum steht, wie alt dieses Bündel Energie ist und ob es überhaupt so reden „kann“, wenn nicht sogar „darf“. „Kann“, weil Erfahrung (gemessen am Akademiegrad kommt natürlich hinzu). „Darf“, weil wir uns unausgesprochen weiterhin in asymmetrischen Beziehungen befinden. Dann kommt bei mir natürlich noch hinzu, dass ich eine Frau bin. Und auch wenn es viele Stimmen da draußen gibt, die die Gleichberechtigung von Mann und Frau in unserem System loben, ist es eine Tatsache, dass immer noch Unterschiede gemacht werden/bestehen. Frau und „Nicht-Studenten-Alter“ – nicht so eine schöne Kombi.
      Auch Dir alles Gute und ein erinnerungsreiches Jahr 2018!
      Saide

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  2. Was du beschreibst, kenne ich alles sehr sehr gut. Und: ich war mit 21 schon Mutter… das war noch zusätzlich verwirrend für Viele. Ich wollte damals immer älter aussehen, weil mir die dauernden Ratschläge auf die Nerven gingen. Bin ständig in die Rechtfertigungsschleife gerutscht. :/ Studium auch noch abgebrochen.. Ich konnte also nicht mal Respekt einfordern, von wegen: Frau Doktor oder Frau Diplom-Ingenieurin.
    Energiebündel haben Esprit! 😀 Das haben ja meist nur noch die Kinder: Spontanität, Bewegungsdrang, Experimentierfreude, Begeisterung! JA zum Leben! Das verwirrt die ernsten Erwachsenen.. 😉
    Als mit Ende zwanzig die ersten grauen Haare kamen, wurde es noch viel verwirrender.
    Vielleicht soll es genau so sein: verwirrend. Für andere: „Hallo, wach?“
    Das habe ich nie herausgefunden und werde es auch nicht mehr. Keine Zeit.. 😀
    Diese ständige Erklärerei hat mir Null gebracht. Und mich immer nur frustriert. Den Teil darfst du getrost auslassen! 😀

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    1. Liebe Ilka,
      erst einmal vielen lieben Dank, dass Du Dir so viel Zeit genommen und mich an Deinen Erfahrungen teilnehmen lassen hast! 🙂 I feel you! Mir geht es meist tatsächlich herzlich wenig darum, jünger geschätzt zu werden, sondern darum, dass sich Menschen so viel rausnehmen, wenn sie einen auf ein gewisses Alter schätzen. Nicht hinhören, nicht ärgern – ja, aber ich spreche diese Themen auch einfach gerne an 😀 nicht unbedingt, um mich abzuregen, sondern vielmehr um etwas nicht unter den Teppich zu kehren und Menschen mit meiner „Sensibilität“ zu nerven 😀

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