Eilmeldung

Auto rast…
Mann schubst…
Polizeieinsatz…

Und sie poppen auf, diese Nachrichten, eine nach der anderen. Bringen mein Herz zum Rasen. Meine Finger eilen über das Touchfeld meines Telefons. Und während meine Finger das Dokument auf und ab scrollen, scannen meine Augen die Informationen nach Hinweisen ab. Bitte nicht, bitte nicht, bitte nicht, bitte – Schwarz.

Flüchtling.
Islam.
Terror.
Migrationshintergrund.

Ich schließe meine Augen. Atme tief ein. Tief aus. Sammele Kraft, um die Nachrichten nun im Ganzen zu betrachten. Tief in mir höre ich eine Stimme mich verachtend fragen: Wirklich? Das erste, was du wissen willst, ist, ob es einer von >den Anderen< war? Hoffst insgeheim, dass die Bilder im Artikel etwas anderes zeigen? Dass in der Mitte des Artikels das Wort „Unfall“ frech den Leser anspringt?
Traurig, Saide. Du bist traurig.

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Dezember-Issues

Here, we are again. Dezember, Freunde, Dezember. Ein Monat, der alle issues des Jahres vereint. Er schreit quasi danach, sich endlich um diese Themen zu kümmern, damit das nächste Jahr, ach ja, ja, das begehrte nächste Jahr, anders wird. Vorzüglich natürlich besser. Im Dezember bereitest du streng genommen nicht nur die Feiertage vor, sondern viel mehr auch die issues des nächsten Jahres. So fühlt es sich an, wenn man den perfekten Übergang in eine neue Zeit einleiten möchte. Altes hinter sich lassen und Neues bitte erst am 01.01. beginnen! Dezember. Ein Monat „der Liebe“, charakterisiert durch das Streben nach „Entschleunigung“ bei gleichzeitiger Schaltung in einen höheren Gang. Dezember. Er könnte so schön sein. Wie Juli. Oder Februar. Oktober auch. Oder alle anderen Monate. Dezember. Ich bin mir sicher, wenn er sprechen könnte, würde er sagen, dass er Menschen nie mochte. Dass seine Tage so kurz und sein Wind so kalt sind, weil er Ruhe und Geborgenheit liebt. Er würde lächeln, wenn er von nassem Schneematsch spräche, fasziniert darüber, wie schnell etwas so ästhetisches wie Schnee als ekelig abgestempelt werden könnte. Er würde von schlafenden Tieren erzählen und erwachenden Lichtern. Von müden Farben und zarten Düften. Dezember. Wieso machen wir Menschen aus allem immer so ein Trara. Wieso lassen wir nichts das sein, was es sein möchten, nur weil wir denken, dass es anders sind? Wieso darf Dezember nicht einfach so sein, wie Dezember ist. Still und ruhig. In sich gekehrt. Besinnt und reflektiert. Das heißt nicht, dass wir seine Tage nicht damit nutzen sollen, uns um unsere Themen zu kümmern. Ganz im Gegenteil. Er würde sich wohl freuen, sähe er einen Jeden von uns ins sich gekehrt, still und ruhig, besinnt und reflektiert.

Heute beginnt ein Empowerment Workshop für Menschen mit Rassismuserfahrung, an dem ich teilnehme. Einen besseren Start in diesen besinnlichen Monat, kann ich mir nicht vorstellen! Was machst Du? Womit tust Du Dir gut? Denn darum sollte es gehen. Im Juli. Oder Februar. Oktober auch. Oder allen anderen Monaten.

Hamsterleben

Ich renne. Wie ein Hamster im Hamsterrad. Ich habe die Ausdauer und Kraft, gleiche Fehler immer und immer wieder zu machen. Mich täglich dafür zu entscheiden, es endlich anders zu tun. Dinge zu verändern. Mir treu zu sein. Mehr Ich zu sein. Alles, was mir schadet, aus meinem Leben zu eliminieren. Ich stehe morgens auf, sage mir, dass ich heute, jetzt, nicht mehr in dieses Hamsterrad steigen werde. Schaue in den Spiegel, um mir meine Narben, blauen Flecken und mein so hart gewordenes Gesicht anzusehen. Und mit diesem Schmerz steige ich erneut in mein Hamsterrad. Renne erneut meine Runden. Mache erneut meine Fehler. Sehe erneut meine Schmerzen aufbrennen. All das während es in meinem Kopf schreit, dass es anders wird. Irgendwann. Irgendwann. Und auch wenn es so aussieht, als würde ich täglich versagen, ist es diese Stimme, die mir zeigt, dass ich siege. Solange sie schreit, bin ich wach. Solange sie schreit, bin ich nicht gebrochen. Solange sie schreit, gibt es Hoffnung.

I do believe in fairies. I do, I do.

Ich besaß einmal eine Kette, die diesen berühmten Peter Pan Satz aufzeigte. Wenn ich daran denke, wird mir ganz schlecht. Nicht des Zitates wegen – der ist ja ganz schön. Wohl mehr, weil seine Trägerin nicht so gelebt hat, wie es jemand würde, der an Feen glaubt. Es ist wirklich leicht sich romantische Sprüche auf die Stirn zu schreiben. Genau dahin, wo sie jeder lesen kann, außer man selbst. Der Blick in den Spiegel zeigt lediglich nicht identifizierbares Geschnörkel. Und so bleibt jede Lebensweisheit und -Philosophie nicht mehr als eine Maskerade. Schlimm? Ich weiß nicht. Es ist ja irgendwie immer sehr motivierend solch einer Stirn zu begegnen. Genauso irritierend aber auch, wenn man merkt, dass die Sätze für die Stirn-Person nichts sind als Schönheiten. Das Motto meiner Schule war: Sapere Aude – Habe Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen. Ein Blick ins Lehrer- und Klassenzimmer genügte um zu sehen, wie sehr das Motto verinnerlicht wurde. Aber es hörte sich ganz nett an. Erst Recht für Eltern, die eine Schule für ihre intelligenten, motivierten, fleißigen Bienchen suchten.
Sapere Aude – du mich mal. Ich glaube lieber weiter an Feen.

Frohes Ein-Jähriges, Schnegge und Danke für Euch

Heute haben wir einjähriges, mein Blog und ich; darauf hat mich zumindest WordPress netterweise hingewiesen. Ich bin sprachlos. Mein Atmen stockt. Mein Herz klopft. Nicht vor Aufregung und Freude. Nein. Viel mehr, weil ich mich daran erinnere, wie ich diesen Blog hier gestartet habe. Versunken in meinem Kopf. Ich habe mich gezwungen, mich zu registrieren. Zu schreiben. Zu schreiben. Zu schreiben. Alles aus meinem Kopf heraus zu zerren. Irgendwie hatte ich das Gefühl, so ein Blog ist verbindlich. Auch wenn ihn keiner liest. Er existiert. In den Weiten des Internets. Ein zu Hause für meine Gedanken. Ganz egal, ob Besuch kommt oder nicht. Es könnte ja… ganz unangekündigt… und dann muss alles ordentlich sein. Aber darum ging es nicht. Es ging darum, einen Ort zu kreieren, in dem Gedachtes geboren werden und leben kann. Ein Ort, den ich betreten und vor allem verlassen kann. So entstand er, mein Blog. Und ich muss sagen… ich bin ganz stolz. Wenn ich jetzt so schaue, was für eine Saide hier tippt. Das schaut doch ganz gut aus 🙂 In dem Sinne:
Frohes Ein-Jähriges, Schnegge.

Ach… und ja… es kümmert mich wirklich herzlich wenig, wie viele Menschen diesen Blog lesen, aber in manch Einen habe ich einen (wenn auch imaginierten) Freund gefunden – meist auch, weil ich andere Gedanken lesen durfte und sie mir stets nahe gehen, mich berühren und ermutigen, diese Welt auch mal schwarz-weiß, aber doch auch in ihren wirklichen, nicht vom Menschen beeinflussten Farben zu sehen. Danke für Euch.

Dann bekomme ich noch 33€

Die Postbotin kommt schnaufend die Treppen hochgestampft und bleibt etwas irritiert vor mir stehen. Das Gesicht hat sie wohl nicht zu dem Namen erwartet, schmunzele ich. Sie reicht mir ein Formular entgegen: „Könnten Sie was für den Nachbarn annehmen?“ Ich schüttele den Kopf: „Das muss ich nicht, das Paket gehört zu uns.“ Sie formt ihr Mund zu einem O. „Dann bekomme ich noch 33€.“ „Ach“, sage ich, und schaue durch den Türrahmen, um dir Bescheid zu geben. „Mutti“ will ich rufen, doch außer „Ach“, kommt nichts heraus. Mein Kopf pocht. Mein Herz tut es ihm gleich. Du schaust mich durch den Türrahmen an, fragend. Ich murmele, dass die Frau noch Geld bekäme und du holst dein Portemonnaie. Schweigend gehe ich zurück in die Wohnung und warte bis du zurückkommst. Ich bin hin und her gerissen zwischen weinen und lachen. Vor der Postbotin musste ich meine Tränen unterdrücken und du wusstest genau wieso. Wir haben uns angeschaut. Ich habe dich angelächelt. Dein Blick wissend. Jetzt warte ich hier. Auf dich. Mutti? Wie um alles in der Welt… Mutti? Verzweifelt lächele ich. Du kommst. Dein Blick wissend. Verzweifelt lächele ich. „Ich wollte „Mutti“ sagen, aber…“, ich verstumme. In meinem Kopf schallt es hinterher: „Dich gibt es ja nicht“ – aber ich habe Angst, dir mit dem Satz wehzutun. Du nickst. Dein Blick wissend. Langsam weite ich meine Arme, dich umarmen wollend und ängstig, nichts als Luft zu spüren. Doch du hältst mich. Fest. So fest. Es fühlt sich so echt an, pocht mein Kopf. Und mein Herz tut es ihm gleich. Es fühlt sich so echt an. Ich will dich nicht loslassen. Danke, danke, danke, pocht mein Kopf. Und mein Herz tut es ihm gleich.
Ich halte dich. So lange es geht.
So fest es geht. Fest. Fest.
So fest.
Bis ich aufwache.

Irgendwann, geliebter Freund, irgendwann

Irgendwann, da werde ich vor dir stehen. Ich werde dir in die Augen sehen, meine Stirn in Falten legen, während ich vielleicht Tränen unterdrücken werde. Meine Lippen werden beben, wenn ich dir von Wut erzähle und Sehnsucht. Meine Arme werden ruhig an mir herunter hängen, die Hände vielleicht zu Fäusten geballt. Irgendwann, da werde ich mutig genug sein, dir zu erzählen, dass ich bin, wie ich bin, auch wenn du mir nicht glaubst, ich zu sein. Ich werde dich zurechtweisen, wenn du mich unterbrichst und vielleicht werde ich schreien. Irgendwann, da werde ich zugeben, dass ich zu viel von dir und zu wenig von mir gehalten habe. Ich werde dir erklären, dass das gut ging, weil du alles daran gesetzt hast, mich klein und niedlich zu halten. Ich werde dir von deiner Gewalt erzählen und vielleicht werde ich lachen. Darüber, wie ich dich trotz allem in stillen Momenten gerne in meiner Nähe gehabt hätte. Nicht als Geliebter. Nicht als Lebenspartner. Nein. Als Freund. Es ist nicht schwierig, dich nicht mehr als Geliebten zu lieben, weil wir uns in unserer Liebe zerstört haben. Es ist schwierig, dich nicht mehr als Freund zu lieben, weil unsere Freundschaft stärker war, als jede Liebe, die ich kannte. Dass der Mensch, der mein Geliebter war, nicht mehr da ist, macht mich nicht einsam. Das, was mich einsam macht, ist, dass mit ihm auch der Mensch, der mein bester Freund war, gegangen ist. Irgendwann, da werde ich vor dir stehen. Ich werde dir in die Augen sehen, meine Stirn in Falten legen, während ich vielleicht Tränen unterdrücken werde. Meine Lippen werden beben, wenn ich dir von Wut erzähle und Sehnsucht. Irgendwann. Hörst du? Irgendwann.