Meine Nase läuft für mich mit

Ich höre sie reden, lachen, seufzen. Meine Hände zittern. Mein Gesicht ist nass. Ich sitze auf einem Stuhl im Arbeitszimmer und rutsche irritiert hin und her. Was passiert mit mir? Wieso bin ich hier? Und nicht dort? Bei den anderen? Im Schlafzimmer? Soll ich einfach… ich kann nicht. Meine Augen sind unter Wasser. Mein Körper eingefroren. Meine Nase läuft für mich mit. Ewigkeiten vergehen. Plötzlich kommt Brudi durch die Tür. Er legt seine Hand sanft auf meinen Arm und flüstert, komm’. „Meine Nase läuft für mich mit“ weiterlesen

Nicht weinen, Prinzessin, nicht weinen

Ihr blauer Schnuller bewegt sich regelmäßig auf und ab, so wie sich auch die Decke, die sich schützend um ihren Körper gelegt hat, wie ein Boot auf den Wellen hebt und senkt. Ein und Aus, atmet sie. Ihre kleinen Hände liegen unbeholfen neben ihrem kleinen Körper. Noch weiß sie nicht viel mit ihnen anzufangen, schrickt auf, wenn die Arme plötzlich zucken. Irgendwann aber… hier hört mein Gedanke auf. Nein, ich möchte nicht an irgendwann denken; auch wenn das bei ihrem Anblick so oft passiert. Nein, ich möchte an jetzt denken. Daran, wie sie nun das Lachen entdeckt, aber anscheinend noch nicht ganz verstanden hat, was es bedeutet. Daran, wie ich mir nicht sicher bin, ob sie nur wieder unbeholfen grinst, oder gleich in Tränen ausbrechen wird. Daran, wie sie jammert, wenn sie schläft und wild mit ihren Armen rudert. An die Momente, wenn Mama und Papa und Tante freudig jubeln, wenn das Kindchen AA gemacht hat. Oder das leichte auf und ab Wippen, wenn Prinzessin mal wieder unruhig vor sich hin weint. Oder… ja.. an jetzt, wo du lauthals schreist und ich mich wundere, wie so etwas durchbohrend unangenehmes wie Babygeschrei die ganze Liebe in mir, die sich allein für dich zu einem rosa Plüschäffchen formiert hat, bestehen bleiben und sogar wachsen kann. Und, naja, weiter komme ich nicht mit dem Gedanken.. denn jetzt, ja jetzt, sollte ich mal deine Mama ablösen und mit dir ein paar Runden durch die schnucklige zwei Zimmer Wohnung gehen. Geteiltes Leid.. Nein, Prinzessin, kein Leid, und das meine ich genauso ehrlich, wie Mamas und Papas „Oh, du bist so süß!“-Gemurmel, wenn sie dich mal wieder versuchen mit all ihrer Zuneigung zu trösten. Könnte man aus Geborgenheit und Liebe ein Schiff bauen, könnten wir alle mit den Gefühlen deiner Eltern auf einer gigantischen Yacht über das Meer deiner Tränen gleiten. Nicht weinen, Prinzessin, das Leben ist so wundervoll, nicht weinen.

 

 

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