Wolkenweich

Lass mich fallen, wenn ich taumel’, fallen will ich nur allein,
Taumeln hilft mir in Gedanken ganz und nur bei mir zu sein.
In den Wunden liegt mein Wesen, tief durchzogen, streng gefüllt,
Jede Zelle, jede Faser ist in Endlichkeit gehüllt.
Angst hab’ ich vor keiner Wunde, die mein Körper auf sich zieht,
Jeder Stich und jeder Kratzer zeigt wie mich mein Wesen sieht.
Blaue Flecken wandern mit mir, färben meine Seele weiß,
Ohne sie und ihre Schmerzen, dreht sich Mensch im Lebenskreis.

Siehst du keine meiner Wunden, siehst mich zart und seidig gleich,
Ist es Liebe für mein Wesen, mich ummantelnd wolkenweich.

Dear Teen Me

Dear Teen Me,

I know, life sucks these times and you‘re sitting, waiting, wishing for better days. I know, what makes you happy and keep on going, is picturing yourself in your mid 20s: Independent and having great hair and a perfect body.

Honey, age won‘t change anything. Shifts of dependency will always make you think, you‘re not Independent. And you will always struggle with your body no matter how much weight you‘ll loose, because it is your head that weighs way too much. Your hair will always be anything but straight and it will always be difficult to „totally get“ your curls. „Dear Teen Me“ weiterlesen

Bittersüß

Nur weil unsere Worte bitter sein mögen, müssen es nicht auch unsere Zungen sein. Vergiss das nicht, wenn Dir jemand sagt, dass Deine Worte diskriminierend oder rassistisch sind. Dein Gegenüber ist nicht sensibel oder überempfindlich, sondern stellt unsere „Normalität“ in Frage. Es geht nicht um bzw. gegen Dich oder Deine subjektive Einstellung. Es geht um Sprache. Sprache, die uns anerzogen wird und die unsere Realität konstruiert; die nicht von uns gesprochen wird, sondern UNS spricht*. Denn Worte kreieren Wahrheit. Falsche Worte, falsche Wahrheiten. Niemand wirft „wie ein Mädchen“, ist hart „wie ein Kerl“, tanzt „wie ein Schwuler“ oder sieht aus „wie eine Lesbe“. Und ja, Freund*inne des Lebens, „den Muslim“ gibt es auch nicht. Worte sind Konstrukte und sie als solche wahrzunehmen ist höllisch unbequem – weniger aber, wenn wir uns klar machen, dass sie von uns zu trennen sind und wir sie dekonstruieren, uns von ihnen lösen können. Distanzieren. Entfernen. Unbequem werden, um frei zu werden und vor allem frei werden ZU LASSEN. Lasst uns uns unsere Zungen versüßen; nicht nur, um einmal einen Moment unsere bitteren Worte zum Schweigen zu bringen. Viel mehr, um unsere persönliche und wahre Süße zu schmecken, sie zu genießen und festzuhalten. Uns an sie zu erinnern, wenn es unbequem wird und auf sie zu vertrauen, wenn es heißt, einfach einmal etwas auszuhalten. Es gibt Menschen, die es sich nicht aussuchen können, da sie täglich fremd konstruiert werden. Aus nicht verstehen (können) kann immer verstehen (wollen) werden. Der erste Schritt ist, sich in seiner Sprache irritieren zu lassen.

*“Die Sprache spricht seine Sprecher“, das sagte einmal ein Mensch, den ich sehr achte und dessen Gedanken mich zu diesem unbequemen, aber befreienden Blickwinkel ermutigten. Falls Du das lesen solltest: Danke für Dich.

Hamsterleben

Ich renne. Wie ein Hamster im Hamsterrad. Ich habe die Ausdauer und Kraft, gleiche Fehler immer und immer wieder zu machen. Mich täglich dafür zu entscheiden, es endlich anders zu tun. Dinge zu verändern. Mir treu zu sein. Mehr Ich zu sein. Alles, was mir schadet, aus meinem Leben zu eliminieren. Ich stehe morgens auf, sage mir, dass ich heute, jetzt, nicht mehr in dieses Hamsterrad steigen werde. Schaue in den Spiegel, um mir meine Narben, blauen Flecken und mein so hart gewordenes Gesicht anzusehen. Und mit diesem Schmerz steige ich erneut in mein Hamsterrad. Renne erneut meine Runden. Mache erneut meine Fehler. Sehe erneut meine Schmerzen aufbrennen. All das während es in meinem Kopf schreit, dass es anders wird. Irgendwann. Irgendwann. Und auch wenn es so aussieht, als würde ich täglich versagen, ist es diese Stimme, die mir zeigt, dass ich siege. Solange sie schreit, bin ich wach. Solange sie schreit, bin ich nicht gebrochen. Solange sie schreit, gibt es Hoffnung.

Staudamm-Knopfdruck-Flut

Es war, als hätte etwas in mir irgendwann, ja vielleicht wegen dir, meine Seele gepackt und in mein Herz gesperrt. Niemals schlafend, ewig wach, besetzten Furcht, Unruhe und Misstrauen den Platz von seiner Zuversicht, Mut und Lebenslust. Meiner Seele tat dieser Anblick weh und sie verkroch sich so in die dunkelste Ecke ihres Käfigs. Tage vergingen, Monate, Jahre. Ja, vielleicht sogar mit dir, und ich vergaß um meine Gefühle. Manchmal, da spürte ich etwas in mir – da regte sich etwas… da reagierte etwas auf mein Leben und ich hielt es nicht aus… sprang aus fahrenden Zügen, schmiss mich in tiefe Gewässer, hielt die Luft an. Solange, bis ich müde war. Kraftlos wie der Gefängniswärter in mir drin. Solange, bis meine Seele um uns bangte, aus seiner Ecke kroch und schrie. Der Wärter wusste nicht, wie ihm geschah. Lief auf und ab. Rannte durch jede meiner Venen. Hatte Angst. So fürchterliche Angst. Denn es wusste, dass es die Seele von Gefühlen fernhalten wollte, sie aber nur zum Schweigen, nicht Wegschauen gebracht hatte. Würde es sie nun sprechen lassen… 
Staudamm. Knopfdruck. Flut. 

Würden wir untergehen? 

Wir werden schwimmen, flüsterte die Seele. Und es wollte ihr glauben. Erlaubte ihr kleine Spaziergänge und sperrte sie todesängstlich wieder ein, wenn es donnerte, blitzte und wir zu ertrinken drohten. Doch jeder Moment der Freiheit brachte Mut und Zuversicht. Und nun – obwohl mir jeglicher ‚Follower‘, jegliches ‚Like‘ oder ‚Kommentar‘ herzlichst egal zu sein schienen, merke ich, wie sie ihm Kraft geben, meine Seele sprechen zu lassen und mir Mut machen, sie anzuhören. Und nun – trotz all dieser Schmerzen, da fühlt es sich an, ja, vielleicht auch dank dir, dass dieser Weg zwar unbequem und durchaus schmerzhaft ist, aber wohl der richtige – für mich.