Hamsterleben

Ich renne. Wie ein Hamster im Hamsterrad. Ich habe die Ausdauer und Kraft, gleiche Fehler immer und immer wieder zu machen. Mich täglich dafür zu entscheiden, es endlich anders zu tun. Dinge zu verändern. Mir treu zu sein. Mehr Ich zu sein. Alles, was mir schadet, aus meinem Leben zu eliminieren. Ich stehe morgens auf, sage mir, dass ich heute, jetzt, nicht mehr in dieses Hamsterrad steigen werde. Schaue in den Spiegel, um mir meine Narben, blauen Flecken und mein so hart gewordenes Gesicht anzusehen. Und mit diesem Schmerz steige ich erneut in mein Hamsterrad. Renne erneut meine Runden. Mache erneut meine Fehler. Sehe erneut meine Schmerzen aufbrennen. All das während es in meinem Kopf schreit, dass es anders wird. Irgendwann. Irgendwann. Und auch wenn es so aussieht, als würde ich täglich versagen, ist es diese Stimme, die mir zeigt, dass ich siege. Solange sie schreit, bin ich wach. Solange sie schreit, bin ich nicht gebrochen. Solange sie schreit, gibt es Hoffnung.

Staudamm-Knopfdruck-Flut

Es war, als hätte etwas in mir irgendwann, ja vielleicht wegen dir, meine Seele gepackt und in mein Herz gesperrt. Niemals schlafend, ewig wach, besetzten Furcht, Unruhe und Misstrauen den Platz von seiner Zuversicht, Mut und Lebenslust. Meiner Seele tat dieser Anblick weh und sie verkroch sich so in die dunkelste Ecke ihres Käfigs. Tage vergingen, Monate, Jahre. Ja, vielleicht sogar mit dir, und ich vergaß um meine Gefühle. Manchmal, da spürte ich etwas in mir – da regte sich etwas… da reagierte etwas auf mein Leben und ich hielt es nicht aus… sprang aus fahrenden Zügen, schmiss mich in tiefe Gewässer, hielt die Luft an. Solange, bis ich müde war. Kraftlos wie der Gefängniswärter in mir drin. Solange, bis meine Seele um uns bangte, aus seiner Ecke kroch und schrie. Der Wärter wusste nicht, wie ihm geschah. Lief auf und ab. Rannte durch jede meiner Venen. Hatte Angst. So fürchterliche Angst. Denn es wusste, dass es die Seele von Gefühlen fernhalten wollte, sie aber nur zum Schweigen, nicht Wegschauen gebracht hatte. Würde es sie nun sprechen lassen… 
Staudamm. Knopfdruck. Flut. 

Würden wir untergehen? 

Wir werden schwimmen, flüsterte die Seele. Und es wollte ihr glauben. Erlaubte ihr kleine Spaziergänge und sperrte sie todesängstlich wieder ein, wenn es donnerte, blitzte und wir zu ertrinken drohten. Doch jeder Moment der Freiheit brachte Mut und Zuversicht. Und nun – obwohl mir jeglicher ‚Follower‘, jegliches ‚Like‘ oder ‚Kommentar‘ herzlichst egal zu sein schienen, merke ich, wie sie ihm Kraft geben, meine Seele sprechen zu lassen und mir Mut machen, sie anzuhören. Und nun – trotz all dieser Schmerzen, da fühlt es sich an, ja, vielleicht auch dank dir, dass dieser Weg zwar unbequem und durchaus schmerzhaft ist, aber wohl der richtige – für mich. 

Titellos

Lieber Gerd,

Nein, das ist kein musischer Moment und dennoch reizt es mich ihn nutzen zu wollen. Meine Finger gleiten über die Tastatur, als seien sie angebundene Tiere, die sich von ihren Fesseln losreißen wollen. Auf eine gewisse Weise sind es auch Ketten, die sich um meinen Geist legen, der immer wieder in meine Finger pustet und hofft, dass die Zuckungen Worte ergeben. Noch 26 Prozent Akku. Nein, das ist kein musischer Moment und dennoch sitze ich hier und will ihn festhalten. Mir steigt der Duft von einem Gemisch aus Alkohol und Putzmittel in die Nase. Der Boden ist noch nass vom Wischen. Meine Tasse Tee steht fast unberührt und kalt auf dem Tisch neben mir und schaut mich an. „Titellos“ weiterlesen

Drowning in a puddle

I don’t know why but sometimes I speak and think in English. It feels like discussing something in a different language makes me understand things better – maybe because I have to stop every – let’s say – third word and wonder whether the word fits or not. I cannot use the same metaphors. I cannot just translate everything word by word. It feels like changing the perspective by switching the language makes me change my relation to the object discussed. Even though I sometimes just want to write everything down – as fast as I can, just to make sure not to forget anything, I force myself to change the language. I force my brain to slow down. I force my fingers to chill and to wait for right signals. I force my heart to relax. My lunges to slow down. My mind to be patient. I force myself to breathe. Just breathe. In and out. To take a moment to understand what is going on. And then I speak or think English; imagine I am abroad and meet someone who cannot speak German so that we have to use the English language to communicate. And then I imagine that this someone is someone I want to share my thoughts with. I imagine I want to prove that I do understand life. That I do understand my inner world. That I do see things a lot of people can’t. And how could this someone believe me if I spoke very bad English, used very bad metaphors.. and how could this someone understand what I am saying, if I didn’t understand the words I was using. How could this someone trust my words if I could not trust them? How could I communicate with this someone if the communication with myself did not work?

So I am speaking and thinking in English. Realizing that a lot of my fears are so unnecessary. Wondering how this feeling could distract me that hard. Accepting that I sometimes use too many letters for a one-word-feeling, just because…. Yes, let’s be honest… just because I can. Just because I feel like mastering my inner world by creating impressive metaphors. Just because I feel like going so deep, and do not realize that I am actually drowning – not in a sea of deep emotions, more a puddle of big words.

Being arrogant sucks.

 

 

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Gebunden

Lieber Gerd,

seit vorgestern bin ich in Karlsruhe und es kommt mir vor, als wäre ich einmal durch die Gezeiten gereist. In Berlin haben die nassen, grauen Oktobertage begonnen und ohne Regenschirm, wasserfesten Schuhen und dickem Wollschal macht das aus dem Haus Gehen wirklich keine Freude. Hier im Süden ist der Herbst wie aus dem Bilderbuch entsprungen. Es ist frisch – eine Kühle, die dich lebendig macht-, der Himmel ist blau, und der Tag ist hell. Draußen lädt zum Spazierengehen ein und Saide sagt mit Freuden zu.

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Fernweh-Geweckt

Nach dem Abitur war ich in Indien und wollte unbedingt Tagebuch schreiben, um ja nichts zu vergessen. Es fiel mir so schwer. Alleine der Anfang: Liebes Tagebuch. Es kam mir so lächerlich vor. Da beschloss ich kurzerhand meinem Tagebuch einen Namen zu geben: Gerd. Und plötzlich tauchte diese Mauer, die sich bei jedem Stiftansetzen hochgezogen hatte, nicht mehr auf. Mein Buch wurde zu einer fiktiven Person, einem Freund, dem ich von meinen Begegnungen erzählen konnte. Es ist so seltsam was der Kopf mit einem macht und noch viel seltsamer mit welchen Tricks man ihn überlisten kann.

 

Lieber Gerd, „Fernweh-Geweckt“ weiterlesen

Gedankenspagat

Es war ein kühler Herbsttag und ich stand gedankenversunken vor den Türen meines Fitnessstudios und wartete, bis sie geöffnet wurden. Es ging mir nicht gut. Ich hatte viele Gedanken, die in Endlosschleife in meinem Kopf liefen. Um mich abzulenken beobachtete ich eine Familie, die in ihren feinen Sonntagskleidern und deutlich erkennbar auch frisch vom Friseur, den versifften Penny links von mir betraten. Als ich meinen Kopf wieder Richtung Studio drehte, stand plötzlich ein kleiner, sehr dürrer, etwas ungepflegt aussehender Mann dicht vor meiner Nase. „Gedankenspagat“ weiterlesen