Bittersüß

Nur weil unsere Worte bitter sein mögen, müssen es nicht auch unsere Zungen sein. Vergiss das nicht, wenn Dir jemand sagt, dass Deine Worte diskriminierend oder rassistisch sind. Dein Gegenüber ist nicht sensibel oder überempfindlich, sondern stellt unsere „Normalität“ in Frage. Es geht nicht um bzw. gegen Dich oder Deine subjektive Einstellung. Es geht um Sprache. Sprache, die uns anerzogen wird und die unsere Realität konstruiert; die nicht von uns gesprochen wird, sondern UNS spricht*. Denn Worte kreieren Wahrheit. Falsche Worte, falsche Wahrheiten. Niemand wirft „wie ein Mädchen“, ist hart „wie ein Kerl“, tanzt „wie ein Schwuler“ oder sieht aus „wie eine Lesbe“. Und ja, Freund*inne des Lebens, „den Muslim“ gibt es auch nicht. Worte sind Konstrukte und sie als solche wahrzunehmen ist höllisch unbequem – weniger aber, wenn wir uns klar machen, dass sie von uns zu trennen sind und wir sie dekonstruieren, uns von ihnen lösen können. Distanzieren. Entfernen. Unbequem werden, um frei zu werden und vor allem frei werden ZU LASSEN. Lasst uns uns unsere Zungen versüßen; nicht nur, um einmal einen Moment unsere bitteren Worte zum Schweigen zu bringen. Viel mehr, um unsere persönliche und wahre Süße zu schmecken, sie zu genießen und festzuhalten. Uns an sie zu erinnern, wenn es unbequem wird und auf sie zu vertrauen, wenn es heißt, einfach einmal etwas auszuhalten. Es gibt Menschen, die es sich nicht aussuchen können, da sie täglich fremd konstruiert werden. Aus nicht verstehen (können) kann immer verstehen (wollen) werden. Der erste Schritt ist, sich in seiner Sprache irritieren zu lassen.

*“Die Sprache spricht seine Sprecher“, das sagte einmal ein Mensch, den ich sehr achte und dessen Gedanken mich zu diesem unbequemen, aber befreienden Blickwinkel ermutigten. Falls Du das lesen solltest: Danke für Dich.

Hayat (II.) – Zitronenmuffin mit Zuckerguss

„Ich heiße Sarah“, grinste sie und strich sich durch ihr wildes Haar. Sarah. Sie mochte diesen Namen. Er war so sanft im Klang, so vertraut. Er strahlte Geborgenheit aus. Wenn er etwas zu Essen wäre, dann ein Zitronenmuffin mit Zuckerguss. Fluffig, leicht, simpel, aber dennoch mit Pfiff. Sarah. Sie lächelte und schob ihre Zunge neben den linken Schneidezahn, genau dahin, wo der rechte noch vor ein paar Tagen war. Jetzt hatte ihn die Zahnfee. Wieso sammelt die eigentlich Zähne? Vielleicht aus demselben Grund, wieso manche Menschen auch Tieren Zähne klauen. Vielleicht macht sie Ketten aus ihnen und verkauft sie. Das ist ein komischer Gedanke, denkt Sarah, wenn jemand mit ihren Zähnen um den Hals herumlaufen würde. Sie schließt nachdenklich ihren Mund und schaut den anderen Kindern nach, wie sie auf das Klettergerüst hüpfen. „Hayat (II.) – Zitronenmuffin mit Zuckerguss“ weiterlesen

Hayat – Viagra

Ihre Augen leuchten smaragdgrün und ihr Haar glänzt golden. Belle klimpert mit ihren langen Wimpern. Ich schaue sie gerne an. Die Wangen rosa, die Haut leicht gebräunt vom Urlaub. Neben ihr steht Sweety. Ihre hüftlangen, braun-gefärbten Haare schimmern rötlich in der Nachmittagssonne. Schneeweiß ist ihre Haut – zu weiß, findet sie, zu blass. Ich sehe das nicht so. Vielmehr bewundere ich das kontrastreiche Zusammenspiel der Farben ihres Körpers. Wir gehen spazieren durch die kleine Altstadt, vorbei an schönen Fachwerkhäusern, Gasthäusern mit guter, deutscher Küche und vielen kleinen Läden. Wir schmunzeln über die Spitznamen, die wir uns vor Jahren einmal gegeben hatten. Belle, die Schöne. Sweety, die Süße und Teddy… das bin ich. „Hayat – Viagra“ weiterlesen

Voll ins Schwarze

Ich habe heute meinen Mitbewohner ins tiefe Bayern gefahren, weil er was erstanden hatte, was jetzt abgeholt werden musste. Wir landeten bei einem Urbayern – Rentner und bayerisch wie aus dem Bilderbuch. Nach einigen Momenten lustigen Schnackens sagt der Herr allen Ernstes zu mir:

Bissa Schwarze. „Voll ins Schwarze“ weiterlesen

Atemnot

Gefangen im wilden Strudel bebt mein Körper unaufhörlich im Rhythmus des verlorenen Kampfes. Immer wieder schleudern mich die Wellen mit einer unbarmherzigen Wucht gegen die Felsen, bevor sie mich zurück in ihre Tiefen ziehen. Mein Körper sich hingebend,  der Geist flehend nach Ruhe. Kein Versuch zu Entkommen, kein Wille die Wellen zu brechen. Ohnmächtig und gezielt ging ich doch in die reißende Flut hinein. „Atemnot“ weiterlesen