Irgendwann, geliebter Freund, irgendwann

Irgendwann, da werde ich vor dir stehen. Ich werde dir in die Augen sehen, meine Stirn in Falten legen, während ich vielleicht Tränen unterdrücken werde. Meine Lippen werden beben, wenn ich dir von Wut erzähle und Sehnsucht. Meine Arme werden ruhig an mir herunter hängen, die Hände vielleicht zu Fäusten geballt. Irgendwann, da werde ich mutig genug sein, dir zu erzählen, dass ich bin, wie ich bin, auch wenn du mir nicht glaubst, ich zu sein. Ich werde dich zurechtweisen, wenn du mich unterbrichst und vielleicht werde ich schreien. Irgendwann, da werde ich zugeben, dass ich zu viel von dir und zu wenig von mir gehalten habe. Ich werde dir erklären, dass das gut ging, weil du alles daran gesetzt hast, mich klein und niedlich zu halten. Ich werde dir von deiner Gewalt erzählen und vielleicht werde ich lachen. Darüber, wie ich dich trotz allem in stillen Momenten gerne in meiner Nähe gehabt hätte. Nicht als Geliebter. Nicht als Lebenspartner. Nein. Als Freund. Es ist nicht schwierig, dich nicht mehr als Geliebten zu lieben, weil wir uns in unserer Liebe zerstört haben. Es ist schwierig, dich nicht mehr als Freund zu lieben, weil unsere Freundschaft stärker war, als jede Liebe, die ich kannte. Dass der Mensch, der mein Geliebter war, nicht mehr da ist, macht mich nicht einsam. Das, was mich einsam macht, ist, dass mit ihm auch der Mensch, der mein bester Freund war, gegangen ist. Irgendwann, da werde ich vor dir stehen. Ich werde dir in die Augen sehen, meine Stirn in Falten legen, während ich vielleicht Tränen unterdrücken werde. Meine Lippen werden beben, wenn ich dir von Wut erzähle und Sehnsucht. Irgendwann. Hörst du? Irgendwann.

Vor lauter Bäumen

Wir machen uns gegenseitig wütend, bringen unsere Nächsten zum Verzweifeln, nerven uns und treiben einander in den Wahnsinn – jeder von uns mit seiner ganz speziellen Art. Wir streiten, schreien oder schweigen uns an. Rollen die Augen, schütteln unsere Köpfe – können das Benehmen des jeweiligen Anderen nicht begreifen. Wir strengen uns gegenseitig an. Laufen von Kompromiss zu Stolz, fühlen uns vor den Kopf gestoßen, machen kein Halt vor Privatssphäre. Wir tadeln uns und zu Zeiten meiden wir gemeinsame Wege – bis dann diese Momente kommen, in denen einer von uns fällt, sich vom Leben vergessen und verletzt fühlt und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Diese Momente, in denen wir das Gefühl haben, zu scheitern, zu versagen, gänzlich alleine zu sein. Diese Momente, in denen wir uns nach einem Blick, einem Wort, einer Bewegung in den Armen grenzenloser Liebe, endloser Geduld und ewiger Geborgenheit wiederfinden – uns daran erinnernd, dass Familie zu den Dingen gehört, die im Dunkeln am Hellsten leuchten; solange, bis wir die Kraft und den Mut haben wieder für uns selbst zu leuchten und durch den dicht bewachsenen, facettenreichen Wald zu gehen. Vielleicht, ja vielleicht erkennen wir sogar in diesen Momenten, dass wir auch so ein Wald sind – ein Wald, den man manchmal vor lauter Bäumen nicht sieht.

Kullern

Er sitzt mir gegenüber. Streicht sich über seine Haare und rollt die Augen. Das tut er oft. Sich durch die Haare streichen und die Augen rollen. Nicht immer gleichzeitig. Auch nicht immer hintereinander. Manchmal nur das eine und ein anderes Mal das andere. Aber gerade tut er beides. Sich durch die Haare streichen und die Augen rollen. Ich lächele. Zumindest jetzt. Manchmal nervt es mich, wenn er das tut. Nicht unbedingt das sich durch die Haare Streichen. Aber das Augen Rollen. Ja, das nervt mich manchmal. Sprich dich doch aus, denke ich dann, schrei’, stöhn kurz auf, schnaube, blubbere verlegen – gib einen Ton von dir, aber roll nicht deine Augen, denke ich dann. Die kullern auch ohne, dass du sie rollst, deine Kulleraugen. Ja, so denke ich manchmal. Aber gerade muss ich lächeln und ich kann gar nicht sagen wieso. Vielleicht, weil er mich manchmal an ein kleines Kind erinnert, das nicht weiß, was es sagen oder tun soll und den Auslöser in aller Überforderung und Verlegenheit banalisiert, die Augen rollt. Ach, ich weiß nicht, wieso, aber ich muss lächeln. Streich dir nur durch deine Haare und bring deine Kulleraugen zum Kullern, denke ich. So beides gleichzeitig, das ist ganz herzallerliebst. Zumindest jetzt. Und jetzt ist gerade und gerade ist alles gut, denke ich und kullere mit.

 

Schöne Dinge

Dein Atem streicht warm über meine Haut, während deine Nase mein Gesicht streichelt. Intimer als jeder Kuss, so fühlt es sich an. Ich lasse auch meine Nase dein Gesicht erkunden. Deinen angenehm kratzigen Bart, deine schmalen Lippen, deine weichen Wangen und kleinen Augen. Deine Hände haben sich in meinen Haaren verloren. Unsere Lippen finden sich. Zärtlich küsst du mich. Bedacht. Ich ziehe meinen Kopf zurück. Sehe dich an. Es ist dunkel, aber ich kann deinen tiefen und müden Blick erkennen. Meine Finger zeichnen Linien in deinem Gesicht. Deine Hände ruhen auf meiner Hüfte. Schön siehst du aus. Ob du mich auch so gerne ansiehst, frage ich mich… du bist müde und kannst deine Augen kaum offen lassen. Dennoch lässt du mich nicht gehen. Hältst mich nah an deinem Körper. Als wäre alles vorbei, sobald ich nur aufstehe. Und so sollte es auch sein. Hast du es in dem Moment schon kommen sehen? Wolltest du den Moment deswegen noch etwas andauern lassen? Schön war es so mit dir zu sein. Ohne Zwang, etwas müsse passieren – mehr müsse passieren. Mehr, als einfach da zu sein. Sich zu erkennen. Sich zu fühlen. Ich habe sie genossen, diese Ruhe. Und vielleicht vermisse ich sie. Doch tief in mir weiß ich, dass es niemals wieder so schön hätte werden können. Dass es nur ein Moment zweier Freunde war. Freunde, die sich küssen. Freunde, die sich erkennen. Und sehe ich dich nun fernab von diesem Moment, zusammen mit anderen Freunden, so fühle ich, dass ich dich anders sehe, als zuvor. Liebevoller und auch ruhiger. Denn jetzt weiß ich, dass wir Freunde sind, die auch Freunde bleiben sollten. Diesen Moment als einen schönen Traum zwischen uns in Erinnerung behalten – so haben wir uns geeinigt. Und ich muss gestehen, anfangs habe ich es nicht verstanden: wieso an etwas so schönem einfach vorbeilaufen? Aber jetzt, nachdem ich dich wiedergesehen habe, unter all unseren Freunden, so wird es mir klar.
Manchmal ist es schöner, schöne Dinge einfach schön bleiben zu lassen.

 

 

 

 

 

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Fear of Falling

To fly is what I want to learn
To fly like birds like you
To see the world differently
To see it from your view

The fear of falling keeps me close
It keeps my soul, my will
I cannot breathe, I cannot think
It wants me keep still

The wind strokes my cheeks
And starts to talk to me
He whispers: Jump, you can fly
Jump and you will see.

The fear of falling keeps me close
It keeps my soul, my will
I cannot think, I cannot breathe
It wants me to keep still

Little bear, listen please, listen to your heart. Little bear, please believe, listen as a start.

 

 

 

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