Hintergrundmusik

Siehst du den hellen Schatten, der sich auf meine Augen legt? Ich kann nicht ausmachen, woher er kommt. Wo seine Wurzeln liegen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihn wirklich sehe. Manchmal, so habe ich das Gefühl, sitzt er unverkennbar auf meiner Stirn. Drückt sich auf meine Augen, bis sie nur noch verzerrte Farbkleckse wahrnehmen. Ein anderes Mal ist dieser helle Schatten mehr spür- als sehbar. Wie geschmolzener Puderzucker deutet er sein Da-Sein an. Wenn ich mich so umschaue, nach seinem Körper suchend, ist es, als könne nur mein drittes Auge sehen. In sich schauend erblickt es Angst. Sorge. Zweifel.
Manchmal, denke ich, manchmal würde ich gerne meine Emotionen anhalten, während sich die Welt weiterdreht. Wie verstummende Hintergrundmusik in einem Film. Oder auf dem Jahrmarkt. Was würde dann noch bleiben?

Mit deinem dritten Auge, siehst du den hellen Schatten, der sich auf meine Augen legt. Auch du kannst nicht ausmachen, woher er kommt. Wo seine Wurzeln liegen. Ich bin mir sicher, die Frage danach stellst du dir auch nicht.

Du küsst sanft meine Stirn. Streichst mir zärtlich über den Kopf.
Öffnest mir die Augen.
Und während die Welt für einen Moment still steht, umarmen Emotionen warm meine Seele. Was bleibt, bist Du. Liebe.
Und Vertrauen.

Sensibel

Ich bin es, wenn ich so sage, was ich sage, sagen andere. Wenn ich auf Dinge reagiere, auf die es nicht zu reagieren gilt, nur weil andere anders reagieren. Sensibel.

Ich bin es, wenn ich denke, was ich denke, denken andere. Wenn ich immer eine Antwort habe, obwohl es keine Frage gab, erklären sie. Sensibel.

Ich bin es.
Sagen andere.
Denken andere.
Erklären andere.
Sensibel.
Sind andere, wenn sie so den Drang verspüren, mir meine Sensibilität abzusprechen. Sensibel.
Lieber wie ich, als sie.
Sage ich.
Denke ich.
Erkläre ich.
Sensibel.

Wenn ich möchte

Ich kann, wenn ich möchte, durch ein Fenster in eine kleine Wohnung blicken. Oft ist es dunkel dort, die Gardinen zugezogen, und keiner scheint zu Hause zu sein. Manchmal aber, oft, wenn alles schläft, zieht sich der dicke Stoff zur Seite und ein Mädchen schaut hinaus. Sie weint. Berührt mit ihrer Stirn die Scheiben, als wolle sie sie kühlen. Sie steht ganz still, aber ich spüre, dass es hinter ihrer Stirn ganz laut ist. Sie bewegt ihre Lippen. Presst sie in einem Moment fest aufeinander, in einem anderen zerkaut sie sie mit ihren Zähnen. Manchmal, da spricht sie. Oder schreit. Schlägt ihre Faust gegen die Scheibe. Mich nimmt sie wohl nicht wahr.

Ich kann, wenn ich möchte, durch ein Fenster in eine kleine Wohnung blicken. Oft ist es dunkel dort, die Gardinen zugezogen, und keiner scheint zu Hause zu sein. Manchmal aber, oft, wenn alles schläft, zieht sich der dicke Stoff zur Seite und ein Mädchen läuft auf und ab. Verlässt das Zimmer, das ich sehe, und betritt es wieder. Steigt auf Stühle und auf Tische. Schüttelt sich. Wirft die Arme in die Höhe, fällt auf ihre Knie, steht genauso schnell wieder auf und horcht. Horcht, ob jemand kommt. Ob jemand sie hört. Mich nimmt sie wohl nicht wahr.

Ich kann, wenn ich möchte, etwas zu ihr hoch rufen. Oft hört sie mich jedoch nicht oder starrt mich verständnislos an. Manchmal aber, oft, wenn sie sehr müde und kraftlos ist, öffnet sie langsam ihr Fenster und streckt mir ihren Kopf entgegen. Ihre Augen sind rot und dunkel umrandet. Ihre Lippen beben. Ihre Augenbrauen sind zusammengezogen. Ich kann ihrem Blick schwer standhalten. Sie schüttelt den Kopf, während ich versuche Worte zu finden. Formt ihren Mund zu einem beschämten Lächeln und tritt weg vom Fenster. Es schließend. Die Gardinen zuziehend. Alles wieder dunkel werden lassend.

Ich kann, wenn ich möchte und obwohl ich so oft nicht will, kann ich nicht anders.

Entleert

Manchmal ist mir danach, zu sagen, dass ich wortlos bin. In vielen Farben, gereimt und gefüllt mit nichts außer wortlosem Sinn.

Auch gibt es diese Momente, gedankenversunken, entleert, in denen kein einziger Gedanke trotz Wehen Gedanken gebärt.

Und dann sind da diese Tage, da bebt mein Herz ganz schwer unter endlosen Gefühlen, die gefühllos sind und mehr.

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Liebe Alle und mit diesem Beitrag besonders:
Liebe Katinka,

ich dachte immer, ich schreibe, um Gedanken festzuhalten. Die Suche nach Bildern und Rhythmus sind jedoch stets eine Suche nach mir. Ich schreibe, um mich festzuhalten. Als gäbe es nichts und niemand anderen, der dies an meiner Worte Stelle tun könnte.

Mich festhalten. Mir Halt geben. Mich spiegeln und mich verzerren. Mich beleuchten. Mir Sinn geben. Mich sehen und mich verstummen lassen.

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