„Ethno-Look“

Wenn ich durch Berlin laufe, sehe ich verschiedene Kleidungsstile, Haarschnitte, Frisuren, Typenkonstruktionen. Da ist jemand etwas Gothic unterwegs. Gleich daneben jemand romantisch frech. Da gibt es die, die meinen, auf Mode und Gesellschaft einen Fuck zu geben, doch gleichzeitig bewusst ihre Kleidung danach auswählen. Ich sehe Menschen, die ihr Gesicht als Leinwand nutzen und mit vielen verschiedenen Farben Akzente ihrer Gedanken setzen. Es gibt die natural beauties, die ihr Gesicht höchstens in Bio-Gesichtscreme tauchen und ihre Haare zu einem leichten Knoten binden. Es gibt die, die ihre Anzüge leben und genauso steif, wie sie an ihnen sitzen, laufen. Die, die Statementketten tragen und dicke Boots unter eleganten Kleidern. Es ist ein wenig, wie durch ein Museum zu laufen. Ich liebe jeden Stil. Auch wenn eines keines sein soll. Auch wenn ich mein Gesicht selbst nicht so dekorieren würde oder gewisse Hosen und Blusen nicht anziehen möchte oder manche Kombinationen nicht verstehen kann. Ich finde es schön zu sehen, wie sich Menschen leben. Ihren Körper spüren. Ihm Zeit geben. Auch wenn es jemand ehrlich meint und sagt, Mode interessiere ihn oder sie nicht, zieht er oder sie an, was dem Körper gut tut, worin er oder sie sich gut fühlt. „„Ethno-Look““ weiterlesen

Bittersüß

Nur weil unsere Worte bitter sein mögen, müssen es nicht auch unsere Zungen sein. Vergiss das nicht, wenn Dir jemand sagt, dass Deine Worte diskriminierend oder rassistisch sind. Dein Gegenüber ist nicht sensibel oder überempfindlich, sondern stellt unsere „Normalität“ in Frage. Es geht nicht um bzw. gegen Dich oder Deine subjektive Einstellung. Es geht um Sprache. Sprache, die uns anerzogen wird und die unsere Realität konstruiert; die nicht von uns gesprochen wird, sondern UNS spricht*. Denn Worte kreieren Wahrheit. Falsche Worte, falsche Wahrheiten. Niemand wirft „wie ein Mädchen“, ist hart „wie ein Kerl“, tanzt „wie ein Schwuler“ oder sieht aus „wie eine Lesbe“. Und ja, Freund*inne des Lebens, „den Muslim“ gibt es auch nicht. Worte sind Konstrukte und sie als solche wahrzunehmen ist höllisch unbequem – weniger aber, wenn wir uns klar machen, dass sie von uns zu trennen sind und wir sie dekonstruieren, uns von ihnen lösen können. Distanzieren. Entfernen. Unbequem werden, um frei zu werden und vor allem frei werden ZU LASSEN. Lasst uns uns unsere Zungen versüßen; nicht nur, um einmal einen Moment unsere bitteren Worte zum Schweigen zu bringen. Viel mehr, um unsere persönliche und wahre Süße zu schmecken, sie zu genießen und festzuhalten. Uns an sie zu erinnern, wenn es unbequem wird und auf sie zu vertrauen, wenn es heißt, einfach einmal etwas auszuhalten. Es gibt Menschen, die es sich nicht aussuchen können, da sie täglich fremd konstruiert werden. Aus nicht verstehen (können) kann immer verstehen (wollen) werden. Der erste Schritt ist, sich in seiner Sprache irritieren zu lassen.

*“Die Sprache spricht seine Sprecher“, das sagte einmal ein Mensch, den ich sehr achte und dessen Gedanken mich zu diesem unbequemen, aber befreienden Blickwinkel ermutigten. Falls Du das lesen solltest: Danke für Dich.

2018 – und immer noch 17

Lieber Gerd,

es ist 2018 und seit ungefähr 13 Jahren bin ich 17. Vor 12 Jahren hat es angefangen und da war es noch ganz toll. Älter eingeschätzt wurde ich erwachsener behandelt. Respektvoller. Bis vor 7 Jahren war es auch irgendwie noch in Ordnung, jünger gesehen zu werden. Es war eher witzig, als problematisch. Seit drei Jahren und besonders meinem letzten Geburtstag, finde ich es einfach nur noch unverschämt. 17 Jahre zu sein ist genauso, wie zehn Jahre älter oder jünger zu sein – nicht der Rede wert. Wenn aber Menschen aus dem Alter schließen, wie sie einen behandeln sollen, dann möchte ich doch wirklich endlich älter gesehen werden! Redet nicht mit mir, als sei ich ein Kind – denn auch wenn ich es wäre, verdiene ich ein Gespräch, in dem meine Persönlichkeit sprechen gelassen und dementsprechend behandelt wird. Ich bin nicht „reif für mein Alter“; was das auch immer bedeuten mag! Ich bin erfahrener, als die Menschen denken.

Es ist irgendwie ganz bezeichnend: anstatt so zu reagieren, soll ich mich über den Fakt freuen, jünger geschätzt zu werden. Davon kann ich mir kein Eis kaufen; auch wenn die meisten Menschen denken, dass ich damit besonders gelockt werden könnte. Ich habe keine Angst vor Falten. Oder einer Zahl. Vielleicht sollte einfach aufgehört werden, Menschen jünger zu schätzen, weil sie „so frisch“ aussehen. Wenn ich in zehn Jahren immer noch nicht über der 20er Grenze bin und behandelt werde, wie ein unerfahrenes Baby, höre ich auf zu duschen, ich schwöre.