Bittersüß

Nur weil unsere Worte bitter sein mögen, müssen es nicht auch unsere Zungen sein. Vergiss das nicht, wenn Dir jemand sagt, dass Deine Worte diskriminierend oder rassistisch sind. Dein Gegenüber ist nicht sensibel oder überempfindlich, sondern stellt unsere „Normalität“ in Frage. Es geht nicht um bzw. gegen Dich oder Deine subjektive Einstellung. Es geht um Sprache. Sprache, die uns anerzogen wird und die unsere Realität konstruiert; die nicht von uns gesprochen wird, sondern UNS spricht*. Denn Worte kreieren Wahrheit. Falsche Worte, falsche Wahrheiten. Niemand wirft „wie ein Mädchen“, ist hart „wie ein Kerl“, tanzt „wie ein Schwuler“ oder sieht aus „wie eine Lesbe“. Und ja, Freund*inne des Lebens, „den Muslim“ gibt es auch nicht. Worte sind Konstrukte und sie als solche wahrzunehmen ist höllisch unbequem – weniger aber, wenn wir uns klar machen, dass sie von uns zu trennen sind und wir sie dekonstruieren, uns von ihnen lösen können. Distanzieren. Entfernen. Unbequem werden, um frei zu werden und vor allem frei werden ZU LASSEN. Lasst uns uns unsere Zungen versüßen; nicht nur, um einmal einen Moment unsere bitteren Worte zum Schweigen zu bringen. Viel mehr, um unsere persönliche und wahre Süße zu schmecken, sie zu genießen und festzuhalten. Uns an sie zu erinnern, wenn es unbequem wird und auf sie zu vertrauen, wenn es heißt, einfach einmal etwas auszuhalten. Es gibt Menschen, die es sich nicht aussuchen können, da sie täglich fremd konstruiert werden. Aus nicht verstehen (können) kann immer verstehen (wollen) werden. Der erste Schritt ist, sich in seiner Sprache irritieren zu lassen.

*“Die Sprache spricht seine Sprecher“, das sagte einmal ein Mensch, den ich sehr achte und dessen Gedanken mich zu diesem unbequemen, aber befreienden Blickwinkel ermutigten. Falls Du das lesen solltest: Danke für Dich.

Hayat – Die von Aladin

Das ist doch nicht böse gemeint, sagst du, und rollst die Augen. Ich bin still. Du wirst es ja doch nicht verstehen. Ich kann so Momente nicht leiden. Momente, in denen ich einfach Recht habe und jeder, der das weiß, sieht, wie naiv du bist, niemand außer mir aber da ist, der das verstehen könnte und ich somit als die Naive dastehe. Die Naive, die Sensible, die Interkulturalität-und-Welt-und-Irgendwie-So-Etwas-in-der-Art-Studentin-mit-Migrationshinter…, hups, nein, ich meine -Geschichte- mit MigrationsGESCHICHTE.

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Voll ins Schwarze

Ich habe heute meinen Mitbewohner ins tiefe Bayern gefahren, weil er was erstanden hatte, was jetzt abgeholt werden musste. Wir landeten bei einem Urbayern – Rentner und bayerisch wie aus dem Bilderbuch. Nach einigen Momenten lustigen Schnackens sagt der Herr allen Ernstes zu mir:

Bissa Schwarze. „Voll ins Schwarze“ weiterlesen

Dunkelbraun

Ein Ich im Ich
Ein Ich in mir
Ein neues Sein im Ich
Ein Ich in mir
In meinem Sein
Es suchte und fand dich.

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Wer bin ich, Zarah, wer bin ich?

„Nala! Warte doch! Nala!“, Quassel stolperte tollpatschig über einen großen Steinpilz und versuchte sich in letzter Sekunde noch an etwas festzuhalten – bumm – da lag das kleine Wesen auf dem Boden; die Arme fest um den eigenen Körper geschlungen. Nala lachte. „Das ist nicht dein Ernst, Quassel! Hast du wirklich versucht dich an dir selbst festzuhalten?“ Hu, der Waldgeist, hatte das Schauspiel beobachtet und flog elegant auf Quassel zu, um ihm mit einem kleinen Luftzug auf die Beine zu helfen. „Hör doch auf zu lachen, Nala! Ich hätte doch nicht wissen können, dass ich mich nicht halten kann!“ Nala quietschte vor Lachen. „Jetzt hör endlich auf!“, wimmerte das tollpatschige Wesen und „Wer bin ich, Zarah, wer bin ich?“ weiterlesen