I do believe in fairies. I do, I do.

Ich besaß einmal eine Kette, die diesen berühmten Peter Pan Satz aufzeigte. Wenn ich daran denke, wird mir ganz schlecht. Nicht des Zitates wegen – der ist ja ganz schön. Wohl mehr, weil seine Trägerin nicht so gelebt hat, wie es jemand würde, der an Feen glaubt. Es ist wirklich leicht sich romantische Sprüche auf die Stirn zu schreiben. Genau dahin, wo sie jeder lesen kann, außer man selbst. Der Blick in den Spiegel zeigt lediglich nicht identifizierbares Geschnörkel. Und so bleibt jede Lebensweisheit und -Philosophie nicht mehr als eine Maskerade. Schlimm? Ich weiß nicht. Es ist ja irgendwie immer sehr motivierend solch einer Stirn zu begegnen. Genauso irritierend aber auch, wenn man merkt, dass die Sätze für die Stirn-Person nichts sind als Schönheiten. Das Motto meiner Schule war: Sapere Aude – Habe Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen. Ein Blick ins Lehrer- und Klassenzimmer genügte um zu sehen, wie sehr das Motto verinnerlicht wurde. Aber es hörte sich ganz nett an. Erst Recht für Eltern, die eine Schule für ihre intelligenten, motivierten, fleißigen Bienchen suchten.
Sapere Aude – du mich mal. Ich glaube lieber weiter an Feen.

In all ihrer Nicht-Existenz

Träume nicht, heißt es, lebe, murmele ich vor mich hin, während mir der Geheimdienst erklärt, wie sehr sie meine Mithilfe in einem hochanspruchsvollen Fall brauchen. Ich schüttele kräftig den Kopf. Der Mann, der mir entgegenläuft, schaut mich an, als sei ich wahnsinnig, woraufhin ich ihm lachend zunicke und in den schwarzen Wagen der Agenten steige. So ein Schwachsinn, murmele ich und schaue mir die Akten an, die mir die unbekannten Geheimen entgegenreichen. Leben ohne zu träumen, das reduziert das Leben doch auf alles Erreichbare. Ich binde mir die Haare zu einem Zopf und blättere in der Geheimakte. „In all ihrer Nicht-Existenz“ weiterlesen

Gebunden

Lieber Gerd,

seit vorgestern bin ich in Karlsruhe und es kommt mir vor, als wäre ich einmal durch die Gezeiten gereist. In Berlin haben die nassen, grauen Oktobertage begonnen und ohne Regenschirm, wasserfesten Schuhen und dickem Wollschal macht das aus dem Haus Gehen wirklich keine Freude. Hier im Süden ist der Herbst wie aus dem Bilderbuch entsprungen. Es ist frisch – eine Kühle, die dich lebendig macht-, der Himmel ist blau, und der Tag ist hell. Draußen lädt zum Spazierengehen ein und Saide sagt mit Freuden zu.

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Fernweh-Geweckt

Nach dem Abitur war ich in Indien und wollte unbedingt Tagebuch schreiben, um ja nichts zu vergessen. Es fiel mir so schwer. Alleine der Anfang: Liebes Tagebuch. Es kam mir so lächerlich vor. Da beschloss ich kurzerhand meinem Tagebuch einen Namen zu geben: Gerd. Und plötzlich tauchte diese Mauer, die sich bei jedem Stiftansetzen hochgezogen hatte, nicht mehr auf. Mein Buch wurde zu einer fiktiven Person, einem Freund, dem ich von meinen Begegnungen erzählen konnte. Es ist so seltsam was der Kopf mit einem macht und noch viel seltsamer mit welchen Tricks man ihn überlisten kann.

 

Lieber Gerd, „Fernweh-Geweckt“ weiterlesen

Gedankenspagat

Es war ein kühler Herbsttag und ich stand gedankenversunken vor den Türen meines Fitnessstudios und wartete, bis sie geöffnet wurden. Es ging mir nicht gut. Ich hatte viele Gedanken, die in Endlosschleife in meinem Kopf liefen. Um mich abzulenken beobachtete ich eine Familie, die in ihren feinen Sonntagskleidern und deutlich erkennbar auch frisch vom Friseur, den versifften Penny links von mir betraten. Als ich meinen Kopf wieder Richtung Studio drehte, stand plötzlich ein kleiner, sehr dürrer, etwas ungepflegt aussehender Mann dicht vor meiner Nase. „Gedankenspagat“ weiterlesen