Ja

Lass mich lachen, wenn du weinst.
Unserer Liebe wegen.
Rennen, wenn du stehst
allein im kalten Regen.

Ich will weinen, wenn du lachst,
Für alles, was wir sind,
Warten, wenn du eilst
Mich sehend tröstend blind.

Singen, wenn du schreist,
Wachen, wenn du schläfst.
Das Gegenteil tun,
von dem, was du mir rätst.

 

TU Berlin, 07.08.17, 12:42 Uhr

Er blickt lächelnd auf sein Handy. Seine Finger gleiten über das Display. Die kleinen Grübchen über seinen Mundwinkeln hüpfen leicht, als er schmunzelnd aufatmet. Er räuspert sich. Sein Blick bleibt auf dem Display. Ich kann seine Augen nicht erkennen, da die Ränder seiner Brille meinen Augen im Wege stehen. Die weichen Züge seines Gesichts erzählen jedoch mehr, als er sich vielleicht bewusst ist. Ob es wohl ein verliebter Blick ist?, frage ich mich. Oder gibt ihm sein Kumpel gerade Tipps, wie er das Mädchen neben ihm, das fleißig die Tasten ihres Macs drückt, nach ihrer Handynummer fragen könnte. Während ich überlege, schaue ich kurz weg. Als mein Blick erneut sein Gesicht trifft, sind die weichen Züge noch weicher, das angedeutete Lächeln ein Grinsen. Er ist glücklich. Wieso auch immer. Er ist glücklich und irgendwie macht es mich das in aller Unbekanntheit auch.

Irgendwann, geliebter Freund, irgendwann

Irgendwann, da werde ich vor dir stehen. Ich werde dir in die Augen sehen, meine Stirn in Falten legen, während ich vielleicht Tränen unterdrücken werde. Meine Lippen werden beben, wenn ich dir von Wut erzähle und Sehnsucht. Meine Arme werden ruhig an mir herunter hängen, die Hände vielleicht zu Fäusten geballt. Irgendwann, da werde ich mutig genug sein, dir zu erzählen, dass ich bin, wie ich bin, auch wenn du mir nicht glaubst, ich zu sein. Ich werde dich zurechtweisen, wenn du mich unterbrichst und vielleicht werde ich schreien. Irgendwann, da werde ich zugeben, dass ich zu viel von dir und zu wenig von mir gehalten habe. Ich werde dir erklären, dass das gut ging, weil du alles daran gesetzt hast, mich klein und niedlich zu halten. Ich werde dir von deiner Gewalt erzählen und vielleicht werde ich lachen. Darüber, wie ich dich trotz allem in stillen Momenten gerne in meiner Nähe gehabt hätte. Nicht als Geliebter. Nicht als Lebenspartner. Nein. Als Freund. Es ist nicht schwierig, dich nicht mehr als Geliebten zu lieben, weil wir uns in unserer Liebe zerstört haben. Es ist schwierig, dich nicht mehr als Freund zu lieben, weil unsere Freundschaft stärker war, als jede Liebe, die ich kannte. Dass der Mensch, der mein Geliebter war, nicht mehr da ist, macht mich nicht einsam. Das, was mich einsam macht, ist, dass mit ihm auch der Mensch, der mein bester Freund war, gegangen ist. Irgendwann, da werde ich vor dir stehen. Ich werde dir in die Augen sehen, meine Stirn in Falten legen, während ich vielleicht Tränen unterdrücken werde. Meine Lippen werden beben, wenn ich dir von Wut erzähle und Sehnsucht. Irgendwann. Hörst du? Irgendwann.

Vor lauter Bäumen

Wir machen uns gegenseitig wütend, bringen unsere Nächsten zum Verzweifeln, nerven uns und treiben einander in den Wahnsinn – jeder von uns mit seiner ganz speziellen Art. Wir streiten, schreien oder schweigen uns an. Rollen die Augen, schütteln unsere Köpfe – können das Benehmen des jeweiligen Anderen nicht begreifen. Wir strengen uns gegenseitig an. Laufen von Kompromiss zu Stolz, fühlen uns vor den Kopf gestoßen, machen kein Halt vor Privatssphäre. Wir tadeln uns und zu Zeiten meiden wir gemeinsame Wege – bis dann diese Momente kommen, in denen einer von uns fällt, sich vom Leben vergessen und verletzt fühlt und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Diese Momente, in denen wir das Gefühl haben, zu scheitern, zu versagen, gänzlich alleine zu sein. Diese Momente, in denen wir uns nach einem Blick, einem Wort, einer Bewegung in den Armen grenzenloser Liebe, endloser Geduld und ewiger Geborgenheit wiederfinden – uns daran erinnernd, dass Familie zu den Dingen gehört, die im Dunkeln am Hellsten leuchten; solange, bis wir die Kraft und den Mut haben wieder für uns selbst zu leuchten und durch den dicht bewachsenen, facettenreichen Wald zu gehen. Vielleicht, ja vielleicht erkennen wir sogar in diesen Momenten, dass wir auch so ein Wald sind – ein Wald, den man manchmal vor lauter Bäumen nicht sieht.

Komm‘ endlich klar

Wovor hast du Angst? Oder ist es Übermut? Stolz? Arroganz? Du findest mich klug – und weiter? Du findest mich schön – und weiter? Du findest mich witzig, eloquent, geheimnisvoll, leidenschaftlich, anziehend – und weiter? Verfickte Scheiße und weiter? Ich habe keine Lust auf rosaroten Plüsch-Kitsch und ich will nicht, dass man um mich kämpft, mich umgarnt. Darum geht es nicht, ok?! Ich will keinen Prinzen auf einem Pferd, sondern jemanden, der mutig genug ist, von seinem hohen Ross zu steigen und sich einzugestehen, dass er verdammt noch einmal Schiss hat, verletzt zu werden. Was bringt dir deine Coolness, wenn du am Ende des Tages unterkühlt in deinem Bett liegst? Sieh mich an, wenn ich dich in meinem Kopf anschreie! Ich bin mehr wert, als dein Wechselspiel von Nähe und Distanz! Du sagst es doch selbst. Ich bin klug, schön, witzig, eloquent, geheimnisvoll, leidenschaftlich, anziehend. Und weiter? Ich sag’ es dir: Wenn du bei etwas voll ins Schwarze getroffen hast, dann bei deiner Erkenntnis darüber, dass ich viel bin. Viel, aber nicht abhängig von dir. Von Nähe – ja. Liebe – ja. Schutz, Geborgenheit, Wärme, Sorge – ja. Aber nicht von dir. Reite weiter, ja? Wenn du dich beeilst, triffst du die ganzen anderen Wanna-be-Macho-Prinzen und ihr könnt darüber streiten, wer am Besten seinen Traum von Menschen auf Abstand halten kann. Vielleicht müsst ihr erst einmal euer Echo hören, um zu realisieren, was ihr da eigentlich verspielt. Es geht um kluge, schöne, witzige, eloquente, geheimnisvolle, leidenschaftliche, anziehende Träume von Menschen – wie mich. Nenn’ mich eingebildet. Ich bleibe bei den Worten meiner liebsten Mondsichel: Ich bin selbstbewusst, nicht eingebildet. Ich weiß, was ich wert bin. Viel. Ja viel. Und ich wünsche dir, dass du dir deiner selbst auch irgendwann einmal bewusst wirst und diese elende Maskerade sein lässt. Die Welt dreht sich nicht um dich, Schätzchen, so gut sich dieser Gedanke auch anfühlt. Komm’ endlich klar.

Kann

I’ve been upside down, I don’t wanna be the right way round, can’t find paradise on the ground

Lieber Gerd,

ich habe es geschafft – keine Ahnung, wie, aber ich habe es wirklich geschafft. Es ist April. Die Sonne, sie strahlt mich an, wie der Vater das Kind, das zum ersten Mal ‚Papa’ sagt. Es duftet Blumen, Gegrilltes, frisch gemähtes Gras, Frühling. Ich kann es kaum glauben, Gerd. Ich habe diesen grauen, kalten, einsamen Berlin-Winter überlebt. Es wird endlich wieder heller, wärmer. Jetzt habe ich keine Angst mehr zu weinen. Ich kann es endlich tun, ohne mit dem Blick aus dem Fenster immer tiefer in das Meer meiner Tränen gezogen zu werden. Ich kann weinen und mich von der Schönheit des Frühlings trösten lassen. Ich kann weinen und mich mit einem Blinzeln in die Welt ans wundervolle Leben erinnern. Ich kann weinen. Um sie, die so wichtig für mich war, dass ich fast jede freie Sekunde mit ihr verbrachte und irgendwann den Grund für unser ständiges Zusammensein vergas, taumelnd in Selbstverständlichkeit. Ich kann weinen. Um sie, die ich so vermisse. So, so vermisse. Ich kann weinen. Ich kann. Kann. Und dabei bleibt es. Bei kann. Kann.

All we do is lie and wait, all we do is feel the faith
-Oh Wonder-

Und wenn ich dich doch mag

Ein klein wenig springt mein Herz, wenn ich dich so lachen sehe. Ich traue mich kaum, dich anzuschauen, aus Angst, einen Atemzug zu lange meine Augen auf deinem schönen Gesicht verweilen zu lassen. Und bilde ich mir ein, dass auch du die Sekunden zählst, in denen sich unsere Blicke umarmen? Es ist, als würden unsere Augen tanzen, während unsere Lippen Worte wie „Klausurenphase“ und „Bib“ formen. Eins, zwei, drei; eins zwei drei, schwingen sie rhythmisch durch den Ballsaal meiner Fantasie und jeder Lidschlag macht mir Angst, den Takt zu verlieren. Eins, zwei, drei, eins, zwei – halt. Zu lange geschaut. Zu lange. Und wenn ich dich doch mag?

Meine Augen wandern über Stock und Stein. Den Weg weg von dir suchend, landen sie immer wieder vor deinen Füßen. Eins, zwei, drei Sekunden und wieder treffen meine Augen deine. Kann man sich einbilden, alleine zu tanzen, frage ich mich und schaue einen Lidschlag länger. Dein Blick senkt sich. Ich weiß, du weißt nicht, ob du tanzen willst oder nicht, aber wieso hältst du mich bei jeder Umdrehung so fest im Arm, als hättest du Angst, ich könnte dich loslassen und vom Parkett rennen? Oder schwinge ich seit jeher nur mit deinem langen Schatten als Tanzpartner über den Holzboden, frage ich mich. Loslassen wäre wohl gut, denke ich. Loslassen. Und wenn ich dich doch mag?