Kullern

Er sitzt mir gegenüber. Streicht sich über seine Haare und rollt die Augen. Das tut er oft. Sich durch die Haare streichen und die Augen rollen. Nicht immer gleichzeitig. Auch nicht immer hintereinander. Manchmal nur das eine und ein anderes Mal das andere. Aber gerade tut er beides. Sich durch die Haare streichen und die Augen rollen. Ich lächele. Zumindest jetzt. Manchmal nervt es mich, wenn er das tut. Nicht unbedingt das sich durch die Haare Streichen. Aber das Augen Rollen. Ja, das nervt mich manchmal. Sprich dich doch aus, denke ich dann, schrei’, stöhn kurz auf, schnaube, blubbere verlegen – gib einen Ton von dir, aber roll nicht deine Augen, denke ich dann. Die kullern auch ohne, dass du sie rollst, deine Kulleraugen. Ja, so denke ich manchmal. Aber gerade muss ich lächeln und ich kann gar nicht sagen wieso. Vielleicht, weil er mich manchmal an ein kleines Kind erinnert, das nicht weiß, was es sagen oder tun soll und den Auslöser in aller Überforderung und Verlegenheit banalisiert, die Augen rollt. Ach, ich weiß nicht, wieso, aber ich muss lächeln. Streich dir nur durch deine Haare und bring deine Kulleraugen zum Kullern, denke ich. So beides gleichzeitig, das ist ganz herzallerliebst. Zumindest jetzt. Und jetzt ist gerade und gerade ist alles gut, denke ich und kullere mit.

 

Wishless

Think of a sheet, a meadow and a sea: You on the sheet, the sheet in the meadow, the meadow in front of the sea.

Think of thousand candles, thousand small boats and the sea: each candle on a small boat, each boat swimming on the sea.

Think of falling stars all over the firmament and the funny fact there is no wish you have.

Think of a light breeze that pets your cheeks.

Think of background music.

How do you feel? – Maybe it is a feeling you cannot describe. Maybe I can describe it for you : It is the same feeling that I have while seeing your smile.

 

 

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Nicht weinen, Prinzessin, nicht weinen

Ihr blauer Schnuller bewegt sich regelmäßig auf und ab, so wie sich auch die Decke, die sich schützend um ihren Körper gelegt hat, wie ein Boot auf den Wellen hebt und senkt. Ein und Aus, atmet sie. Ihre kleinen Hände liegen unbeholfen neben ihrem kleinen Körper. Noch weiß sie nicht viel mit ihnen anzufangen, schrickt auf, wenn die Arme plötzlich zucken. Irgendwann aber… hier hört mein Gedanke auf. Nein, ich möchte nicht an irgendwann denken; auch wenn das bei ihrem Anblick so oft passiert. Nein, ich möchte an jetzt denken. Daran, wie sie nun das Lachen entdeckt, aber anscheinend noch nicht ganz verstanden hat, was es bedeutet. Daran, wie ich mir nicht sicher bin, ob sie nur wieder unbeholfen grinst, oder gleich in Tränen ausbrechen wird. Daran, wie sie jammert, wenn sie schläft und wild mit ihren Armen rudert. An die Momente, wenn Mama und Papa und Tante freudig jubeln, wenn das Kindchen AA gemacht hat. Oder das leichte auf und ab Wippen, wenn Prinzessin mal wieder unruhig vor sich hin weint. Oder… ja.. an jetzt, wo du lauthals schreist und ich mich wundere, wie so etwas durchbohrend unangenehmes wie Babygeschrei die ganze Liebe in mir, die sich allein für dich zu einem rosa Plüschäffchen formiert hat, bestehen bleiben und sogar wachsen kann. Und, naja, weiter komme ich nicht mit dem Gedanken.. denn jetzt, ja jetzt, sollte ich mal deine Mama ablösen und mit dir ein paar Runden durch die schnucklige zwei Zimmer Wohnung gehen. Geteiltes Leid.. Nein, Prinzessin, kein Leid, und das meine ich genauso ehrlich, wie Mamas und Papas „Oh, du bist so süß!“-Gemurmel, wenn sie dich mal wieder versuchen mit all ihrer Zuneigung zu trösten. Könnte man aus Geborgenheit und Liebe ein Schiff bauen, könnten wir alle mit den Gefühlen deiner Eltern auf einer gigantischen Yacht über das Meer deiner Tränen gleiten. Nicht weinen, Prinzessin, das Leben ist so wundervoll, nicht weinen.

 

 

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Berlin

Die Kälte umhüllt meinen müden Körper wie ein warmer Wintermantel. Es ist fünf Uhr – früh, nachts – irgendetwas dazwischen. Ich stehe an der Bushaltestelle, beobachte, wie die letzten Gäste der Table Dance Bar in die kleinen Taxen steigen, die sich vor dem dunklen Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufgereiht haben. „Sollen wir Euch mitnehmen? Wir fahren nach Kreuzberg!“, ruft einer der Gestalten den Mädchen, die mit mir auf den Bus warten, und mir entgegen. Ich blicke der abfahrenden gelben Kutsche hinterher. Es ist viel los, denke ich. Obwohl es so früh ist – so spät – irgendetwas dazwischen. Der unsichtbare Himmel leuchtet in meine Gedanken und verlässt mich auch nicht, als ich in den Bus steige. Gemurmel. Gelächter. Meine Sinne sind vor lauter Müdigkeit geschärft und dennoch fühle ich mich wie in Trance. Meine Augen saugen alles auf, was sie sehen. Oh, es gibt so viel zu sehen. Lichter, die die Dunkelheit nicht einfangen kann. Seltsame Gestalten, die meinen Blicken standhalten. Alles ist groß da draußen, denke ich, und steige aus. Hauptbahnhof. Das gläserne Gebäude, das sich vor mir auftürmt, löst etwas in mir aus, das ich sonst nur auf Flughäfen empfinde. Ich blicke hoch und sehe, wie Züge durch das Glashaus fahren. Finde nur ich diesen Anblick so seltsam unnatürlich?

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