Dear Teen Me

Dear Teen Me,

I know, life sucks these times and you‘re sitting, waiting, wishing for better days. I know, what makes you happy and keep on going, is picturing yourself in your mid 20s: Independent and having great hair and a perfect body.

Honey, age won‘t change anything. Shifts of dependency will always make you think, you‘re not Independent. And you will always struggle with your body no matter how much weight you‘ll loose, because it is your head that weighs way too much. Your hair will always be anything but straight and it will always be difficult to „totally get“ your curls. „Dear Teen Me“ weiterlesen

Bittersüß

Nur weil unsere Worte bitter sein mögen, müssen es nicht auch unsere Zungen sein. Vergiss das nicht, wenn Dir jemand sagt, dass Deine Worte diskriminierend oder rassistisch sind. Dein Gegenüber ist nicht sensibel oder überempfindlich, sondern stellt unsere „Normalität“ in Frage. Es geht nicht um bzw. gegen Dich oder Deine subjektive Einstellung. Es geht um Sprache. Sprache, die uns anerzogen wird und die unsere Realität konstruiert; die nicht von uns gesprochen wird, sondern UNS spricht*. Denn Worte kreieren Wahrheit. Falsche Worte, falsche Wahrheiten. Niemand wirft „wie ein Mädchen“, ist hart „wie ein Kerl“, tanzt „wie ein Schwuler“ oder sieht aus „wie eine Lesbe“. Und ja, Freund*inne des Lebens, „den Muslim“ gibt es auch nicht. Worte sind Konstrukte und sie als solche wahrzunehmen ist höllisch unbequem – weniger aber, wenn wir uns klar machen, dass sie von uns zu trennen sind und wir sie dekonstruieren, uns von ihnen lösen können. Distanzieren. Entfernen. Unbequem werden, um frei zu werden und vor allem frei werden ZU LASSEN. Lasst uns uns unsere Zungen versüßen; nicht nur, um einmal einen Moment unsere bitteren Worte zum Schweigen zu bringen. Viel mehr, um unsere persönliche und wahre Süße zu schmecken, sie zu genießen und festzuhalten. Uns an sie zu erinnern, wenn es unbequem wird und auf sie zu vertrauen, wenn es heißt, einfach einmal etwas auszuhalten. Es gibt Menschen, die es sich nicht aussuchen können, da sie täglich fremd konstruiert werden. Aus nicht verstehen (können) kann immer verstehen (wollen) werden. Der erste Schritt ist, sich in seiner Sprache irritieren zu lassen.

*“Die Sprache spricht seine Sprecher“, das sagte einmal ein Mensch, den ich sehr achte und dessen Gedanken mich zu diesem unbequemen, aber befreienden Blickwinkel ermutigten. Falls Du das lesen solltest: Danke für Dich.

Dezember-Issues

Here, we are again. Dezember, Freunde, Dezember. Ein Monat, der alle issues des Jahres vereint. Er schreit quasi danach, sich endlich um diese Themen zu kümmern, damit das nächste Jahr, ach ja, ja, das begehrte nächste Jahr, anders wird. Vorzüglich natürlich besser. Im Dezember bereitest du streng genommen nicht nur die Feiertage vor, sondern viel mehr auch die issues des nächsten Jahres. So fühlt es sich an, wenn man den perfekten Übergang in eine neue Zeit einleiten möchte. Altes hinter sich lassen und Neues bitte erst am 01.01. beginnen! Dezember. Ein Monat „der Liebe“, charakterisiert durch das Streben nach „Entschleunigung“ bei gleichzeitiger Schaltung in einen höheren Gang. Dezember. Er könnte so schön sein. Wie Juli. Oder Februar. Oktober auch. Oder alle anderen Monate. Dezember. Ich bin mir sicher, wenn er sprechen könnte, würde er sagen, dass er Menschen nie mochte. Dass seine Tage so kurz und sein Wind so kalt sind, weil er Ruhe und Geborgenheit liebt. Er würde lächeln, wenn er von nassem Schneematsch spräche, fasziniert darüber, wie schnell etwas so ästhetisches wie Schnee als ekelig abgestempelt werden könnte. Er würde von schlafenden Tieren erzählen und erwachenden Lichtern. Von müden Farben und zarten Düften. Dezember. Wieso machen wir Menschen aus allem immer so ein Trara. Wieso lassen wir nichts das sein, was es sein möchten, nur weil wir denken, dass es anders sind? Wieso darf Dezember nicht einfach so sein, wie Dezember ist. Still und ruhig. In sich gekehrt. Besinnt und reflektiert. Das heißt nicht, dass wir seine Tage nicht damit nutzen sollen, uns um unsere Themen zu kümmern. Ganz im Gegenteil. Er würde sich wohl freuen, sähe er einen Jeden von uns ins sich gekehrt, still und ruhig, besinnt und reflektiert.

Heute beginnt ein Empowerment Workshop für Menschen mit Rassismuserfahrung, an dem ich teilnehme. Einen besseren Start in diesen besinnlichen Monat, kann ich mir nicht vorstellen! Was machst Du? Womit tust Du Dir gut? Denn darum sollte es gehen. Im Juli. Oder Februar. Oktober auch. Oder allen anderen Monaten.

Hamsterleben

Ich renne. Wie ein Hamster im Hamsterrad. Ich habe die Ausdauer und Kraft, gleiche Fehler immer und immer wieder zu machen. Mich täglich dafür zu entscheiden, es endlich anders zu tun. Dinge zu verändern. Mir treu zu sein. Mehr Ich zu sein. Alles, was mir schadet, aus meinem Leben zu eliminieren. Ich stehe morgens auf, sage mir, dass ich heute, jetzt, nicht mehr in dieses Hamsterrad steigen werde. Schaue in den Spiegel, um mir meine Narben, blauen Flecken und mein so hart gewordenes Gesicht anzusehen. Und mit diesem Schmerz steige ich erneut in mein Hamsterrad. Renne erneut meine Runden. Mache erneut meine Fehler. Sehe erneut meine Schmerzen aufbrennen. All das während es in meinem Kopf schreit, dass es anders wird. Irgendwann. Irgendwann. Und auch wenn es so aussieht, als würde ich täglich versagen, ist es diese Stimme, die mir zeigt, dass ich siege. Solange sie schreit, bin ich wach. Solange sie schreit, bin ich nicht gebrochen. Solange sie schreit, gibt es Hoffnung.