Unbedacht

Die Sonne, sie muss dir ja so dankbar sein, denke ich, während ich dich beobachte. So viel Wärme und Licht wie du schenkst, kann sie jeden Tag etwas früher Feierabend machen. Ich glaube, denke ich, ich glaube, so getrost konnte sie noch nie ein Nickerchen in ihrem Wolkenbett machen.
Du tastest nach meinem Sonnenhut und setzt ihn mir auf. Schatten fällt auf meinen Kopf. Meine leuchtenden Augen behalten dich im Blick. Bei der Sonne hat niemand Angst, dass sie nur blendet. Irgendwie vertrauen wir ihr. Manchmal leichtsinnig. Unbedacht. Und trotz Sonnenbrand lieben wir sie und geben ihr keine Schuld. Bei dir, denke ich, bei dir war ich von Beginn an skeptisch. Sehr. Und ich muss gestehen, ich habe lange darauf gewartet, dass ich mich verbrenne. Aber im Gegensatz zur Sonne gibst du mir gar nicht erst die Möglichkeit, mich verbrennen zu lassen. Ich taste nach meinem Sonnenhut und nehme ihn nach kurzem Überlegen ab. Ich glaube, denke ich, ich glaube, mit dir kann ich leichtsinnig sein. Unbedacht.
Irgendwie vertraue ich dir.

Verwehen

Stille Nacht Heilige Nacht Alles schläft
Doch sie, sie wacht.
Kühler Wind Sanfter Wind Küsst es zart
Das Menschenkind
Lass mich los Lass mich gehen In dem Winde still

Verwehen.

Zum Namenstag

Gott fügt hinzu.
Liebe, Geborgenheit und Vertrauen.
Gott fügt hinzu.
Anerkennung, Respekt und Wertschätzung.
Gott fügt hinzu.
Eine dritte Hand, ein zweiter Blick und ein einzigartiger Sinn.
Gott fügt hinzu.
Wärme, Schutz und Ehrlichkeit.
Gott fügt hinzu.
Ein helles Licht, ein schattiger Platz.
Eine sanfte Brise, ein starker Ruck.
Eine Schulter, ein Spiegel, Rhabarberkuchen.
Gott fügt hinzu.
Josepha.
Gott fügt hinzu.

Ich habe Angst

Ich habe Angst.
Schallt es in meinem Kopf.
Ich habe Angst.
Während der Frühling den Winter in den Schlaf wiegt, jede Stunde des Tages den Nachgeschmack vergeudeter Zeit in sich trägt. Während der Wind ein Portrait des Universums auf meine Haut zeichnet und die Düfte hunderter Welten meine Nase hinauf schweben.
Ich habe Angst.
Während das Leben in seinen feinen und groben Zügen ein Wunder und Geschenk ist, Liebe und Geborgenheit meinen Körper umhüllen. Während keine Sorgen es wert sind Sorgen zu sein und keine
Ängste meine Ängste beängstigen
können.

Ich brenne

ich verdurste während ich trinke
spüre im Flug wie tief ich sinke
kralle mich fest an jedes Ich
vertraue weiter nicht auf mich

ich verhungere während ich speise
fühle mich gefangen wenn ich reise
zähle alle Stunden und Minuten
schaue mir zu beim Verbluten

ich friere wenn ich schwitze
spüre die Kälte in der Hitze
ich brenne ich brenne ich brenne
ich brenne ich brenne ich brenne.