Hintergrundmusik

Siehst du den hellen Schatten, der sich auf meine Augen legt? Ich kann nicht ausmachen, woher er kommt. Wo seine Wurzeln liegen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihn wirklich sehe. Manchmal, so habe ich das Gefühl, sitzt er unverkennbar auf meiner Stirn. Drückt sich auf meine Augen, bis sie nur noch verzerrte Farbkleckse wahrnehmen. Ein anderes Mal ist dieser helle Schatten mehr spür- als sehbar. Wie geschmolzener Puderzucker deutet er sein Da-Sein an. Wenn ich mich so umschaue, nach seinem Körper suchend, ist es, als könne nur mein drittes Auge sehen. In sich schauend erblickt es Angst. Sorge. Zweifel.
Manchmal, denke ich, manchmal würde ich gerne meine Emotionen anhalten, während sich die Welt weiterdreht. Wie verstummende Hintergrundmusik in einem Film. Oder auf dem Jahrmarkt. Was würde dann noch bleiben?

Mit deinem dritten Auge, siehst du den hellen Schatten, der sich auf meine Augen legt. Auch du kannst nicht ausmachen, woher er kommt. Wo seine Wurzeln liegen. Ich bin mir sicher, die Frage danach stellst du dir auch nicht.

Du küsst sanft meine Stirn. Streichst mir zärtlich über den Kopf.
Öffnest mir die Augen.
Und während die Welt für einen Moment still steht, umarmen Emotionen warm meine Seele. Was bleibt, bist Du. Liebe.
Und Vertrauen.

Wolkenweich

Lass mich fallen, wenn ich taumel’, fallen will ich nur allein,
Taumeln hilft mir in Gedanken ganz und nur bei mir zu sein.
In den Wunden liegt mein Wesen, tief durchzogen, streng gefüllt,
Jede Zelle, jede Faser ist in Endlichkeit gehüllt.
Angst hab’ ich vor keiner Wunde, die mein Körper auf sich zieht,
Jeder Stich und jeder Kratzer zeigt wie mich mein Wesen sieht.
Blaue Flecken wandern mit mir, färben meine Seele weiß,
Ohne sie und ihre Schmerzen, dreht sich Mensch im Lebenskreis.

Siehst du keine meiner Wunden, siehst mich zart und seidig gleich,
Ist es Liebe für mein Wesen, mich ummantelnd wolkenweich.

Staudamm-Knopfdruck-Flut

Es war, als hätte etwas in mir irgendwann, ja vielleicht wegen dir, meine Seele gepackt und in mein Herz gesperrt. Niemals schlafend, ewig wach, besetzten Furcht, Unruhe und Misstrauen den Platz von seiner Zuversicht, Mut und Lebenslust. Meiner Seele tat dieser Anblick weh und sie verkroch sich so in die dunkelste Ecke ihres Käfigs. Tage vergingen, Monate, Jahre. Ja, vielleicht sogar mit dir, und ich vergaß um meine Gefühle. Manchmal, da spürte ich etwas in mir – da regte sich etwas… da reagierte etwas auf mein Leben und ich hielt es nicht aus… sprang aus fahrenden Zügen, schmiss mich in tiefe Gewässer, hielt die Luft an. Solange, bis ich müde war. Kraftlos wie der Gefängniswärter in mir drin. Solange, bis meine Seele um uns bangte, aus seiner Ecke kroch und schrie. Der Wärter wusste nicht, wie ihm geschah. Lief auf und ab. Rannte durch jede meiner Venen. Hatte Angst. So fürchterliche Angst. Denn es wusste, dass es die Seele von Gefühlen fernhalten wollte, sie aber nur zum Schweigen, nicht Wegschauen gebracht hatte. Würde es sie nun sprechen lassen… 
Staudamm. Knopfdruck. Flut. 

Würden wir untergehen? 

Wir werden schwimmen, flüsterte die Seele. Und es wollte ihr glauben. Erlaubte ihr kleine Spaziergänge und sperrte sie todesängstlich wieder ein, wenn es donnerte, blitzte und wir zu ertrinken drohten. Doch jeder Moment der Freiheit brachte Mut und Zuversicht. Und nun – obwohl mir jeglicher ‚Follower‘, jegliches ‚Like‘ oder ‚Kommentar‘ herzlichst egal zu sein schienen, merke ich, wie sie ihm Kraft geben, meine Seele sprechen zu lassen und mir Mut machen, sie anzuhören. Und nun – trotz all dieser Schmerzen, da fühlt es sich an, ja, vielleicht auch dank dir, dass dieser Weg zwar unbequem und durchaus schmerzhaft ist, aber wohl der richtige – für mich. 

Dunkelbraun

Ein Ich im Ich
Ein Ich in mir
Ein neues Sein im Ich
Ein Ich in mir
In meinem Sein
Es suchte und fand dich.

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Wer bin ich, Zarah, wer bin ich?

„Nala! Warte doch! Nala!“, Quassel stolperte tollpatschig über einen großen Steinpilz und versuchte sich in letzter Sekunde noch an etwas festzuhalten – bumm – da lag das kleine Wesen auf dem Boden; die Arme fest um den eigenen Körper geschlungen. Nala lachte. „Das ist nicht dein Ernst, Quassel! Hast du wirklich versucht dich an dir selbst festzuhalten?“ Hu, der Waldgeist, hatte das Schauspiel beobachtet und flog elegant auf Quassel zu, um ihm mit einem kleinen Luftzug auf die Beine zu helfen. „Hör doch auf zu lachen, Nala! Ich hätte doch nicht wissen können, dass ich mich nicht halten kann!“ Nala quietschte vor Lachen. „Jetzt hör endlich auf!“, wimmerte das tollpatschige Wesen und „Wer bin ich, Zarah, wer bin ich?“ weiterlesen