Wenn ich möchte

Ich kann, wenn ich möchte, durch ein Fenster in eine kleine Wohnung blicken. Oft ist es dunkel dort, die Gardinen zugezogen, und keiner scheint zu Hause zu sein. Manchmal aber, oft, wenn alles schläft, zieht sich der dicke Stoff zur Seite und ein Mädchen schaut hinaus. Sie weint. Berührt mit ihrer Stirn die Scheiben, als wolle sie sie kühlen. Sie steht ganz still, aber ich spüre, dass es hinter ihrer Stirn ganz laut ist. Sie bewegt ihre Lippen. Presst sie in einem Moment fest aufeinander, in einem anderen zerkaut sie sie mit ihren Zähnen. Manchmal, da spricht sie. Oder schreit. Schlägt ihre Faust gegen die Scheibe. Mich nimmt sie wohl nicht wahr.

Ich kann, wenn ich möchte, durch ein Fenster in eine kleine Wohnung blicken. Oft ist es dunkel dort, die Gardinen zugezogen, und keiner scheint zu Hause zu sein. Manchmal aber, oft, wenn alles schläft, zieht sich der dicke Stoff zur Seite und ein Mädchen läuft auf und ab. Verlässt das Zimmer, das ich sehe, und betritt es wieder. Steigt auf Stühle und auf Tische. Schüttelt sich. Wirft die Arme in die Höhe, fällt auf ihre Knie, steht genauso schnell wieder auf und horcht. Horcht, ob jemand kommt. Ob jemand sie hört. Mich nimmt sie wohl nicht wahr.

Ich kann, wenn ich möchte, etwas zu ihr hoch rufen. Oft hört sie mich jedoch nicht oder starrt mich verständnislos an. Manchmal aber, oft, wenn sie sehr müde und kraftlos ist, öffnet sie langsam ihr Fenster und streckt mir ihren Kopf entgegen. Ihre Augen sind rot und dunkel umrandet. Ihre Lippen beben. Ihre Augenbrauen sind zusammengezogen. Ich kann ihrem Blick schwer standhalten. Sie schüttelt den Kopf, während ich versuche Worte zu finden. Formt ihren Mund zu einem beschämten Lächeln und tritt weg vom Fenster. Es schließend. Die Gardinen zuziehend. Alles wieder dunkel werden lassend.

Ich kann, wenn ich möchte und obwohl ich so oft nicht will, kann ich nicht anders.